LIEDERLUST – Jetzt reisen wir zum Tor hinaus

Wahrscheinlich habt ihr schon gemerkt, dass mir die klangvollen, auch manchmal etwas melancholischen Lieder die liebsten sind und davon wiederum gehören die Abschiedslieder zu den schönsten. Außerdem schadet es nicht, wenn man mehrere Abschiedslieder kennt, denn dann kann man das Heimgehen noch etwas hinauszögern. Deshalb wollen wir euer Repertoire mit einem wunderschönen Lied aus dieser Kategorie erweitern.

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LIEDERLUST – Kommt ein Vogel, Vogel hergeflogen

Kommt ein Vogel geflogen, setzt sich nieder auf mein Fuß,
hat ein’ Zettel im Schnabel, von der Mutter ein’ Gruß.

Ich bin mir sicher, die meisten von euch kennen dieses Volkslied aus der Schule und haben auch sofort die passende Melodie dazu im Kopf. Von der Forschung wird es zu den sogenannten „Kunstliedern im Volksmund“ gerechnet, da seine Herkunft ziemlich genau rekonstruiert werden kann. 1824 wurde es erstmals in der Liederposse „Die Wiener in Berlin“ des Schauspielers und Schriftstellers Karl von Holtei in Berlin präsentiert. Die Melodie geht angeblich auf Johann Christoph Kienlen zurück, der sich wohl von schon bestehenden österreichischen Volksliedern inspirieren ließ. Seit 1828 verbreitete sich dieses Lied über Gebrauchsliederbücher rasant im gesamten deutschen Sprachraum. Ursprünglich handelt es sich um ein Liebeslied, in dem der Vogel dem Dirndl einen Brief vom Burschen, der in der Fremde weilt, überbringt. Wie so viele andere Volkslieder auch, wurde es kindgerecht überarbeitet und das ‚Dirndl’ durch die ‚Mutter’ ersetzt. In dieser Form kennen wir es heute.

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LIEDERLUST – Ich hab amal an Schatz gehabt

In sehr vielen Volksliedern ist die Liebe mit all ihren Facetten das überragende Thema – von der sehnsuchtsvollen Liebeserklärung bis hin zum schnöden Verrat ist alles zu finden. Das poetische Liebeslied, das wir diesmal mit euch singen wollen, ist eindeutig der ersten Kategorie zuzuordnen. Warum ich gerade dieses Lied für euch ausgewählt habe, hat einen ganz persönlichen Grund. Der Fundort des Liedes ist eng mit meiner Familiengeschichte verknüpft und davon möchte ich euch gern in diesem Beitrag erzählen.

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Die fränkische Online-Singstunde

Schon seit über einem Jahr hat aufgrund der Corona-Pandemie ein kultureller Stillstand unsere Gesellschaft fest im Griff. Der damit einhergehende Verlust von realen Begegnungen mit Musik, Tanz und Gesang belastet die Menschen mehr und mehr und auch die Arbeit in der Volksmusikpflege ist sehr stark davon betroffen. Nicht nur, dass diese Arbeit grundsätzlich darauf abzielt, Menschen mit Musik zusammenzuführen, sondern darüber hinaus ganz stark auch durch die Tatsache, dass Singen, Tanzen, Musizieren auf einmal in Verdacht gerieten, so etwas wie ein Gesundheitsrisko zu sein. Natürlich ist dies weiterhin nicht der Fall, im Gegenteil: Es ist seit langem wissenschaftlich erwiesen und unsere Erfahrung bestätigt dies immer wieder neu, dass Singen, Tanzen und Musizieren eben gesundheitsfördernde menschliche Handlungen sind, die man nicht ohne Verlust einfach beiseite legen kann. Klar ist dagegen, dass durch die Infektionsgefahr nur Zusammenkünfte in Gruppen zur Zeit ein Gesundheitsrisiko darstellen, nicht das Singen, Tanzen, Musizieren selbst.
Nur wie kann man in solchen Zeiten Singen fördern, wenn man die Menschen nicht zusammenführen darf? Es entstand die Idee: Indem man zu ihnen nach Hause kommt!

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LIEDERLUST – Es zogen drei Sänger wohl übern Rhein

Vielleicht geht es euch genauso wie mir. Ich habe unzählige Liederbücher in meinem Regal stehen, aber die für mich eindrücklichsten Lieder sind nicht die Lieder aus meinen Liederbüchern, sondern diejenigen, die mir jemand vorgesungen hat. Und erst über diese Brücke habe ich sie dann auch in einem Liederbuch entdeckt. So ging es mir auch mit der Ballade „Es zogen drei Sänger wohl übern Rhein“. Zum ersten Mal gehört habe ich sie in Hopgarten, einem deutschen Dorf in der Ostslowakei. Das Lied ist ein später Nachklang der uralten Ballade vom ‚Ulinger’ (Ritter Blaubart), der durch seinen zauberhaft wunderschönen Gesang (mit dreierlei Stimmen) Mädchen in den Wald lockt, verführt und dann ermordet.

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LIEDERLUST – Der Kuckuck auf hohem Birabaum saß

Im Zentrum dieses originellen Liebesliedes steht der Kuckuck. Wenn man sich den Text allerdings einmal genauer anschaut und auch zwischen den Zeilen liest, merkt man schnell, dass es nur vordergründig um den Kuckuck geht. Vielmehr handelt es sich um einen recht menschlichen „Vogel“, der auf ein Liebesabenteuer aus ist.

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LIEDERLUST – Nun leb wohl, du schöne Stadt

‘Nun leb wohl, du schöne Stadt’ begleitet mich schon sehr lange und gehört zu meinen liebsten Liedern. Ursprünglich wird der Name der Stadt genannt, von der so schmerzlich Abschied genommen werden muss: ‚Großkarol, du schöne Stadt, wen muss ich dadrinnen lassen, meinen auserwählten Schatz!“ Das Lied wurde von den Rekruten gesungen, die zum Militärdienst eingezogen wurden und so mit poetischen und eindringlichen Worten Abschied von ihrer Liebsten nahmen: „Aus meinen Äugelein fließet Wasser, weil ich von dir scheiden muss. Scheiden, scheiden, ja immer scheiden, scheiden ist ein harte Buß!“ Denn oftmals war es ein Abschied für sehr lange Zeit. Aber wo liegt eigentlich dieses Großkarol, das in diesem Lied besungen wird?

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LIEDERLUST – Es war einmal ein junger Soldat

Diesmal möchte ich euch eine interessante Liedlandschaft im Norden Bayerisch-Schwabens vorstellen – das Kesseltal. Idyllisch windet sich die Kessel südlich des Rieskraters auf 25 Kilometer durch die Höhen des Schwäbischen Jura bis zur Donau. Dieser kleine Landstrich ist aber nicht nur landschaftlich höchst reizvoll, sondern auch sehr interessant, was die Liedüberlieferung betrifft. Bei einer Feldforschungsexkursion zur Vorbereitung des Seminares „Volksmusikforschung und –pflege in Bayern“, das 1980 in Schwaben stattfand, wurde zum ersten Mal von wissenschaftlicher Seite der Versuch unternommen, das noch lebendige Liedgut auf Tonband zu dokumentieren. Die Fülle und der Inhalt der Aufzeichnungen waren ungewöhnlich. Neben zahlreichen Tanzliedern und Schleifern (das ist ein anderer Name für ‚Zwiefache’), beherrschten die Älteren noch ungewöhnliche Balladen und andere Liedformen, die sich nur noch hier erhalten haben. Die aufgezeichneten Lieder waren so interessant, dass es mich als junge Studentin ins Kesseltal gezogen hat, um dort selbst Feldforschung zu betreiben und Lieder aufzuzeichnen.

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Kulturvermittlung – Lied „Der Leipoldsnickel“

„Lied – Musik – Tanz online“

„Wer den Schaden hat…“

Ein Missgeschick wird zum Gassenhauer im Frankenwald und Fichtelgebirge. 

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LIEDERLUST – Da Jaga tragt an greana Huat

Zu unserem zweiten LIEDERLUST-Lied in diesem Jahr fallen mir spontan viele Adjektive ein: geheimnisvoll, tragisch, stolz, gemein, märchenhaft. Vieles bleibt in dieser vielstrophigen Ballade im Dunkeln, bleibt ungesagt und der eigenen Interpretation überlassen. Und das ist gerade das Schöne: das Wichtigste in diesem Lied findet sich zwischen den Strophen, es wird nur angedeutet oder bleibt ungesagt und lässt so Raum für die eigene Phantasie. Aber es gibt auch eine Art „Code“, d.h. es werden Metaphern, also Bilder eingesetzt, die einiges erschließen, wenn man deren Bedeutung kennt. Aber dazu später mehr.
Die Ballade „Da Jaga tragt an greana Huat“, die wir heute mit euch singen wollen, ist eine Aufzeichnung aus Josephinental, einer steirischen Siedlung im Banater Bergland in Rumänien. Die großartige und sehr liedkundige Sängerin Anni Loidl hat dem Münchner Volkskundler Wolfgang A. Mayer bei einer seiner ersten Forschungsfahrten im August 1967 dieses ganz besondere Lied vorgesungen. Der Reiz dieser vielstrophigen Ballade liegt nicht nur in der Geschichte, die darin erzählt wird, sondern auch in der ungewöhnlichen Mollmelodie.

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LIEDERLUST – Wünsch euch ein neues Jahr

Unser erstes LIEDERLUST-Lied im noch jungen Jahr 2021 soll ein Glückwunschlied sein. Nach diesem turbulenten Ausnahmejahr 2020, das so viele Pläne auf den Kopf gestellt und viele, gerade auch kulturelle Unternehmungen unmöglich gemacht hat, kann ein Lied mit so vielen guten Wünschen sicher nicht schaden und vielleicht ein wenig Optimismus und Zuversicht in eure Herzen zaubern. Das wünschen wir euch sehr!
Das Jahr musikalisch zu begrüßen und auf diese Weise viel Glück zu wünschen, hat eine lange Tradition. Hinrich Siuts beschreibt dies in einem Artikel seines Buches „Die Ansingelieder zu den Kalenderfesten“ (Göttingen 1968) ausführlich. Demnach gibt es die ersten Belege in Deutschland schon im 8. Jh. Man sang die Hausbewohner an, wünschte ihnen Glück und bat um Gaben. Heute kennen wir dies eher in Form des Neujahrsanblasens, bei dem die Blaskapellen durch den Ort laufen, an ausgewählten Stellen ein Ständchen spielen und dabei auch Spenden für die Vereinsarbeit sammeln.
Auf jeden Fall eine schöne Tradition, egal ob gesungen oder musiziert. Deshalb möchten wir euch als Anregung für ein ganz privates Neujahrsansingen dieses schöne Glückwunschlied vorstellen. Vielleicht gibt es ja beim nächsten Neujahrsanfang die Gelegenheit die Familie, die Nachbarn oder Freunde mit einem musikalischen Gruß zu überraschen und zu erfreuen.

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LIEDERLUST – Nun freuet euch Menschen auf Erden

Im rumänischen Banater Bergland, nahe der Stadt Reschitz befinden sich einige der interessantesten deutschen Siedlungen, was die Liedüberlieferung und den Singstil betrifft. Bis zur rumänischen Revolution 1989 waren diese Dörfer fast ausschließlich von Deutschen bewohnt. Der Münchner Volkskundler Wolfgang A. Mayer entdeckte sie als Student auf einer Reise von München nach Istanbul durch Zufall. Sein langjähriger Freund Reinhard Albert aus Mühldorf, der ihn bei einigen Fahrten dorthin begleitet hat, erzählt:

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