LIEDERLUST – Wenn ichs ein Vogel wär

Feldforschung fühlt sich manchmal an wie Detektivarbeit. Viele kleine Einzelteile müssen zusammengetragen werden. Man hangelt sich von einem zum anderen ohne großartige neue Erkenntnisse zu gewinnen. Und manchmal findet man ganz unverhofft etwas Besonderes. Das sind immer die schönsten Momente bei Befragungen. So ist es mir mit der Liedaufzeichnung, die ich euch heute vorstellen möchte, ergangen.

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LIEDERLUST – Das menschliche Leben eilt schnelle dahin

Eines der für mich beeindruckendsten Lieder ist „Das menschliche Leben eilt schnelle dahin“. Es begleitet mich schon sehr lange und berührt mich immer wieder aufs Neue. In ausdrucksstarken Bildern werden die wichtigsten Aspekte des Lebens auf den Punkt gebracht. Quasi ein ‚Memento mori’ in Volksliedform!

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Die Nationalhymne der Ukraine

Ще не вмерла Україна („Noch ist die Ukraine nicht gestorben“)

Der ukrainische Dichter Pawlo Tschubynskyj (1839–1884) studierte an der Universität St. Petersburg. verfasste im Herbst 1862 das Gedicht Šče ne wmerla Ukrajina („Noch ist die Ukraine nicht gestorben“), wofür er für sieben Jahre wegen „schädlichen Einfluss“ in die nordrussische Hafenstadt Archangelsk verbannt wurde. Zurück in St. Petersburg arbeitete er als Ethnograph, Historiker, Geograph und Journalist und leistete einen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag zur Dokumentation ukrainischer Kultur. Er war Preisträger der höchsten wissenschaftlichen Auszeichnung des damaligen Russland, des Uwarow-Preises.

Vgl.: https://www.ukrlib.com.ua/bio/printit.php?tid=1884 (01.04.22)

Mychaijlo Werbytskj (1815–1879) war Komponist, Pädagoge, Kapellmeister und schließlich Priester. Als einer der Hauptvertreter der Peremyschlischen Komponistenschule gelang es ihm, durch die Verschmelzung „westlicher“ und „östlicher“ Traditionen, neue Formen für die von ihm konservativ geprägte Kirchenmusik zu kreieren. 1850 wurde er zum Priester geweiht. Ab 1864 trat er auch zunehmend als Bühnenkomponist in Erscheinung. Seine musikalische Melodramen und Komödien aus dem Volksleben (Spiwohra) knüpften an das Wiener Singspiel an. Sie bestanden aus federnden Kolomyjka-Rhythmen in farbigen Volksszenen und reicher Melodik von Volkweisen, die in sämtlichen gesellschaftlichen Schichten beliebt waren. Seine weltlichen Chor- und Sololieder spiegeln die Tradition der Liedertafeln wider. Sie bestehen aus einfachen klaren harmonischen Schemata, weisen eine Nähe zum Volkslied auf und besitzen einen beschränkten Melodieambitus. Seine Vertonung des Gedichtes Šče ne wmerla Ukrajina erfüllte 1918 und wieder seit 1990 die Funktion der ukrainischen Nationalhymne. 

Vgl.: Natalja Samotos, Art. „Werbytskyj, Mychajlo‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online, begr. von Rudolf Flotzinger, hg. von Barbara Boisits (letzte inhaltliche Änderung: 15.5.2006), https://dx.doi.org/10.1553/0x0001e691 (01.04.22).

https://www.musiklexikon.ac.at/ml/musik_W/Werbytskyj_Mychajlo.xml

1863 wurde das Gedicht Tschubynskyjs erstmals in der Lemberger Zeitschrift (Lwiw) Мета veröffentlicht, 1865 folgte die erstmalige Veröffentlichung in der Vertonung von Werbytskj als Notendruck. 1917 wurde das Lied als Hymne der jungen ukrainischen Volksrepublik gesungen, war jedoch in der Zeit der Unabhängigkeit zwischen 1917 und 1920 nicht als offizielle Staatshymne der Ukraine festgelegt. Nach der Gründung der unabhängigen Ukraine 1991 wurde die Musik Werbytskjs in Artikel 20 der Ukrainischen Verfassung verankert, über den Text jedoch sollte das ukrainische Parlament befinden. Erst 2003 wurde schließlich die erste Strophe und der Refrain des tschubynskyjschen Gedichtes in leicht variierter Form als Text der Hymne festgelegt.

Erstdruck von 1863:

Saitenmusik–Ukrainische-Nationalhymne

Blaeser_Partitur_Ukrainische-Nationalhymne-Ще-не-вмерла-Україна-1

Klicken Sie hier zum Download:

Partitur für Bläser

Einzelstimmen für Bläser

Ausgabe für Saitenmusik

Live-Aufnahme der Ukrainischen Hymne für Blechbläserquartett
(Grassauer Blechbläserquartett)

LIEDERLUST – Guate Nacht, schlafts wohl

Lieder können soviel sein – sie können uns froh stimmen und uns trösten. Sie können uns neu beleben und mit ihren Tönen warm umhüllen wie eine Wolldecke. Der Liedermacher Uli Führe bringt dies in einem seiner Kanons wunderbar auf den Punkt:
Singen macht Spaß, Singen tut gut, ja, Singen macht munter und Singen macht Mut! Singen macht froh und Singen hat Charme, die Töne nehmen uns in den Arm.“

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LIEDERLUST – Jetzt schwingen wir’s den Hut

Das Heimgehen nach einem schönen geselligen Abend im Wirtshaus fällt oft nicht leicht. Vielleicht ist dies ja der Grund für die vielen Lieder, die diesen Abschied mal bedauernd oder mal mit einem Augenzwinkern und einer gewissen Selbstironie besingen. Eines dieser Lieder haben wir diesmal für euch ausgewählt, damit ihr vorbereitet seid, wenn demnächst wieder gefeiert werden darf und sich ein schöner Abend dem Ende zuneigt.

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LIEDERLUST – Stehn zwei Stern am hohen Himmel

Dieses Lied hat mich sofort angesprochen und etwas in mir zum Klingen gebracht, als ich es zum ersten Mal gehört habe. Warum mir manche Lieder sofort gefallen, andere mich erst mal nicht berühren und wieder andere sogar einen inneren Widerstand auslösen, kann ich gar nicht so genau sagen. Auf jeden Fall muss mich die Melodie ansprechen. Ganz wichtig ist natürlich auch der Text. Und eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt sicherlich auch die Sängerin oder der Sänger, von der oder dem ich ein Lied zum ersten Mal gehört habe.

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LIEDERLUST – Ihr Kinderlein kommet

Auch im Dezember gibt es natürlich ein LIEDERLUST-Lied und was liegt näher als ein Weihnachtslied auszuwählen. Wir haben uns diesmal für eine schwäbische Aufzeichnung entschieden. Genau genommen für eine Melodievariante eines sehr bekannten Weihnachtsliedes, das sicher jeder aus Kindertagen kennt: „Ihr Kinderlein kommet, o kommet doch all“.

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Kulturvermittlung – Musik – „Mündliche Tradierung“

„Lied – Musik – Tanz online“

„Vom Vater zum Sohn…“ – Mündliche Weitergabe/Tradierung – Ein Beispiel

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LIEDERLUST – O lebe wohl, vergesse mein

Maramuresch – was für ein schönes klangvolles Wort. Dahinter verbirgt sich eine Landschaft ganz im Norden Rumäniens, direkt an der Grenze zur Ukraine. Lange Zeit war die Maramuresch ein Sehnsuchtsort von mir, zu dem ich unbedingt einmal reisen wollte. Geweckt hat diese Neugier ein kleines Büchlein von Claus Stephani, ein rumäniendeutscher Journalist und Ethnologe, der in den 1970er und 1980er Jahren in zahlreichen Feldforschungen die Geschichten der dort lebenden Deutschen auf Tonband aufgezeichnet und literarisch verarbeitet hat. Und von dort haben wir euch diesmal ein sehr berührendes Lied mitgebracht. ‚O lebe wohl, vergesse mein’ – ein Liebeslied, das nicht nur wegen seines Textes zu Herzen geht, sondern auch wegen seiner schönen Melodie in Moll.

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LIEDERLUST – Jetzt reisen wir zum Tor hinaus

Wahrscheinlich habt ihr schon gemerkt, dass mir die klangvollen, auch manchmal etwas melancholischen Lieder die liebsten sind und davon wiederum gehören die Abschiedslieder zu den schönsten. Außerdem schadet es nicht, wenn man mehrere Abschiedslieder kennt, denn dann kann man das Heimgehen noch etwas hinauszögern. Deshalb wollen wir euer Repertoire mit einem wunderschönen Lied aus dieser Kategorie erweitern.

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LIEDERLUST – Kommt ein Vogel, Vogel hergeflogen

Kommt ein Vogel geflogen, setzt sich nieder auf mein Fuß,
hat ein’ Zettel im Schnabel, von der Mutter ein’ Gruß.

Ich bin mir sicher, die meisten von euch kennen dieses Volkslied aus der Schule und haben auch sofort die passende Melodie dazu im Kopf. Von der Forschung wird es zu den sogenannten „Kunstliedern im Volksmund“ gerechnet, da seine Herkunft ziemlich genau rekonstruiert werden kann. 1824 wurde es erstmals in der Liederposse „Die Wiener in Berlin“ des Schauspielers und Schriftstellers Karl von Holtei in Berlin präsentiert. Die Melodie geht angeblich auf Johann Christoph Kienlen zurück, der sich wohl von schon bestehenden österreichischen Volksliedern inspirieren ließ. Seit 1828 verbreitete sich dieses Lied über Gebrauchsliederbücher rasant im gesamten deutschen Sprachraum. Ursprünglich handelt es sich um ein Liebeslied, in dem der Vogel dem Dirndl einen Brief vom Burschen, der in der Fremde weilt, überbringt. Wie so viele andere Volkslieder auch, wurde es kindgerecht überarbeitet und das ‚Dirndl’ durch die ‚Mutter’ ersetzt. In dieser Form kennen wir es heute.

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LIEDERLUST – Ich hab amal an Schatz gehabt

In sehr vielen Volksliedern ist die Liebe mit all ihren Facetten das überragende Thema – von der sehnsuchtsvollen Liebeserklärung bis hin zum schnöden Verrat ist alles zu finden. Das poetische Liebeslied, das wir diesmal mit euch singen wollen, ist eindeutig der ersten Kategorie zuzuordnen. Warum ich gerade dieses Lied für euch ausgewählt habe, hat einen ganz persönlichen Grund. Der Fundort des Liedes ist eng mit meiner Familiengeschichte verknüpft und davon möchte ich euch gern in diesem Beitrag erzählen.

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