Alte Schätze – neu entdeckt

Vor einigen Jahren haben wir zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft Fränkische Volksmusik Bezirk Mittelfranken die Notenausgabe „Alte Schätze – neu entdeckt“ Album 1 für kleine Blaskapellen herausgegeben. Sie enthält sechs historische Arrangements aus Publikationen der Verlage Hermann Silwedel (Landsberg an der Warthe) und H. Hofmann (Kirchberg in Sachsen). In vielen Nachlässen fränkischer Kapellen finden sich Notenhefte dieser beiden Verlage und an der Abnutzung lässt sich erkennen, dass diese Noten gerne genutzt wurden.

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Kleine feine Jodler aus dem Allgäu

Ein Herzensprojekt ist nun fertig geworden. Die Sammlung „Kleine feine Jodler aus dem Allgäu“. Es ist eine Mischung aus Dokumentation und Weiterentwicklung von zweistimmigen Jodlern aus dem Allgäu, die ich in den 1980er und 1990er Jahren aufzeichnen konnte. Lange lagen die Jodler bei mir in der Schublade und warteten auf eine Veröffentlichung. Da sich der Jodler im Allgäu in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt hat, was die Form und auch die Silben betrifft, hatte ich schon die Erfahrung gemacht, dass die Jodler, so wie sie mir von den alten Gewährsleuten vorgesungen wurden, von den Allgäuern nicht als „allgäuerisch“ empfunden wurden. „So duat mei bei uns it. Des isch falsch!“ Was nun also tun? Die Jodler so veröffentlichen, wie sie mir von den Gewährsleuten vorgesungen wurden, mit dem Risiko, dass sie nicht gesungen werden oder etwas Neues ausprobieren? Ich hab mich für die zweite Variante entschieden und das Experiment einer Neulautierung der alten Jodler gewagt.

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Dr Müller vo Egg hat siebazeh Beck

Der folgende Beitrag „Mühlenlieder in schwäbischen Liedaufzeichnungen“ stammt von Christoph Lambertz, Volksmusikpfleger beim Bezirk Schwaben:

„Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“, „Das Wandern ist des Müllers Lust“, „In einem kühlen Grunde, da geht ein Mühlenrad“ – die romantischen Volkslieder des 19. Jahrhunderts sind auch heute noch bekannt und vielgesungen. Sie können jedoch als Beleg dafür dienen, dass die Arbeitswelt des Müllers bereits vor 200 Jahren romantisch überzeichnet wurde. Ein anderes Bild des Müllerhandwerks zeigt sich, wenn man Lieder aus der volkskundlichen Liedaufzeichnung betrachtet. Dies sei an drei kleinen Beispielen gezeigt, die Dagmar Held vom Volksmusikarchiv in Schwaben und die Lehrerin Gertraud Gerich Ende der 1980er Jahre bei Gewährsleuten in Bayerisch-Schwaben dokumentieren konnten.

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Auf Schatzsuche in alten Notenbüchern

Die Ziemetshauser Notenhandschrift gilt als die derzeit älteste Musikantenhandschrift aus Bayerisch-Schwaben. Das kleine Büchlein umfasst insgesamt 158 Seiten und wurde von mehreren Schreibern im Zeitraum von 1750 bis 1830 angelegt. Genannt sei hier Tiberius Reiner; ein entsprechender Vermerk findet sich in der Handschrift auf Seite 125 wieder: „Tiberius Reiner in Zimetshausen 1794“. Des weiteren finden sich die Jahresangaben 1809 und 1830 der späteren Schreiber Johann Georg und Andreas Reiner in Holzara (ca. 25 km südwestlich von Augsburg bei Ziemetshausen gelegen).
In der ersten Hälfte des Buches befinden sich hauptsächlich, zweiteilige, z.T. menuettartige Stücke. Im Anschluss daran überwiegen ländlerartige Melodien, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts aufgeschrieben wurden. Die Melodien sind alle einstimmig notiert, eine Instrumentenangabe findet sich nicht. Vermutlich handelt es sich aber um eine Handschrift für Geige oder Klarinette.
Aus einem Teil der Melodien sind bereits schon Arrangements für verschiedene Instrumentalbesetzungen entstanden.

Unter Nr. 33 der Handschrift findet sich eine Musikstück, das fast schon an orientalische Klänge erinnert. Gleich zwei Gruppen haben sich – unabhängig voneinander – von dieser schönen und außergewöhnlichen Melodie inspirieren lassen. Auf Schatzsuche in alten Notenbüchern weiterlesen

Ihr Kinderlein kommet …

Das bekannteste aller Weihnachtslieder – Stille Nacht, heilige Nacht – feiert heuer seinen 200. Geburtstag. Im schwäbischen Thannhausen und Umgebung blickt man sogar noch etwas weiter zurück, denn vor 250 Jahren wurde Christoph von Schmid, der Verfasser des Textes von „Ihr Kinderlein kommet“, geboren. Der Text und die Melodie sind uns wohlvertraut. Das Lied wird besonders gerne bei der Kinderkrippenfeier am Hl. Abend gesungen oder wenn eine Kindersegnung in der Weihnachtszeit stattfindet. Als Organist habe ich es in den letzten Jahren eigentlich immer nur bei diesen Gottesdiensten eingesetzt, in denen auch die Kinder im Mittelpunkt standen. Es scheint zunächst ja auch ein Lied für Kinder zu sein, was nicht nur im Text der ersten Strophe deutlich wird, sondern auch in der Absicht des Verfassers. Ihr Kinderlein kommet … weiterlesen

Stehn zwei Stern am hohen Himmel

Zur Zeit begleitet mich ein Ohrwurm und wie das bei Ohrwürmern so ist, meldet er sich gleich beim Aufwachen, begleitet mich auf dem Weg zur Arbeit und summt mich abends in den Schlaf. Eingepflanzt hat ihn mir meine Tochter Magdalena, die ganz beseelt von einer Chorprobe nach Hause kam. Für eine Konzertreise nach Südamerika mit dem Kammerchor der Universität Augsburg studierten sie auch einige deutsche Volkslieder ein und eins davon fand sie ganz besonders schön: „Stehn zwei Stern am hohen Himmel“, ein sehr poetisches Liebeslied mit einer wunderschönen Melodie. Sie hat es mir gleich vorgesungen und seitdem lässt mich die Melodie nicht mehr los. Auch den Text finde ich sehr berührend:

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Die Deandln vom Woid habn a Herz als wia s’Gold – Feldforschung als Fundgrube überlieferter Lieder

Viele deCOVERr liabsten Liader wurden bei Feldforschungen aufgezeichnet, wie z.B. die schöne niederbayerische Ari „Aber eantadhoi der Doana“. Im Nachfolgenden könnt ihr einen kleinen Einblick in die Feldforschungsarbeit gewinnen, die für uns immer wieder Quelle und Inspiration ist.

Unter Feldforschung im soziologischen und volkskundlich-wissenschaftlichen Sinn wird „die systematische Erforschung von Kulturen oder bestimmten Gruppen verstanden, indem man sich in deren Lebensraum begibt und das Alltagsleben der Menschen zeitweise teilt. Mithilfe eines oder mehrerer Informanten und durch gezieltes Fragestellen sowie teilnehmende Beobachtung werden wissenswerte Informationen über die betreffende Kultur oder Gruppe gesammelt.“ (https://de.wikipedia.org/wiki/Feldforschung aufgerufen am 16. Januar 2018)

Gerade das Volkslied ist ein typisches Untersuchungsgebiet volkskundlicher Feldforschung gewesen, national wie international. Dennoch trifft der Begriff nur sehr eingeschränkt auf unsere Feldforschungen zu. Es ist vielmehr ein Sammeln mehr zufällig angetroffener Lieder oder möglichst ergiebiger Quellen. Systematische Erforschung findet nicht statt, die Vorgehensweise ist sehr individuell. Aber immerhin: er werden Sänger und Sängerinneninnen, Musikanten und tanzkundige Menschen aufgesucht und nach ihren musikalischen Erfahrungen und Kenntnissen befragt oder Notenkisten durchgeblättert. Ihre Lieder und Musikstücke werden auf Tonband aufgenommen, Notenblätter kopiert oder zum Kopieren ausgeliehen, Tänze werden choreografisch aufgezeichnet, und es wird nach den Lebenszusammenhängen gefragt, in denen diese Musikalien verwendet wurden.

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Ein Lied kommt nach Hause

Ich hoffe, einige von euch haben schon das ein oder andere der „Liabsten Liader“ zu eigenen Lieblingsliedern gemacht! Zu einigen der Lieder gibt es auch besondere Geschichten, sei es nun zu den Sängern, die die Lieder vorgesungen haben, zur Situation der Aufzeichnung oder zu den Gelegenheiten, bei denen sie gesungen wurden. Eine ganz persönliche Geschichte kann Simone Lautenschlager, die ja auch bei dem Singprojekt „Lauter liabste Liader“ mit dabei war, erzählen. Lassen wir sie jetzt selbst zu Wort kommen:

Als ich im Sommer 2simone003 nach Herrsching zum Bayerischen Dreiklang fuhr, wusste ich noch nicht, mit welchem Schatz ich nach Hause kommen sollte. Wie immer lernte ich in der Singstunde eifrig alle Lieder. Darunter eines, das besonders schwierig auswendig zu lernen war. Ständig noch eine Schleife und noch ein Melodieanhängsel. So schien es mir zumindest. Eine ganze Woche habe ich gebraucht, um die Melodieführung zu lernen.

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Lauter liabste Liader

Ich kann mich noch sehr genau an meinen ersten Lehrgang beim Bayerischen Landesverein für Heimatpflege erinnern. Eine Freundin nahm mich zur Volksmusikwoche „Bayerischer Dreiklang“ nach Herrsching mit. Singerisch hat sich hier für mich eine ganz neue Welt aufgetan. Zum einen vom Liedrepertoire, das so ganz anders war, als die Lieder, die ich bis dahin kannte. Diese Art Lieder, die vor allem zu später Stunde im Bierstüberl erklangen, waren mir völlig neu – fremd und faszinierend zugleich.
Und zum anderen die kraftvolle Art des Singens. Einer stimmte an, die anderen suchten sich eine Stimme dazu, drüber oder drunter. Und ganz wichtig und essentiell war der volltönende Bass – von vielen gesungen – der eine unglaublich kräftige Basis bildete. Ich war fasziniert und verzaubert. Für mich waren diese Singerlebnisse wirklich prägend und inspirierten mich, mich selbst auf die Suche nach überlieferten Liedern zu machen. Immer wieder habe ich es als Sternstunde empfunden, wenn die „richtigen“ Sänger da waren, die das gleiche Liedrepertoire beherrschten wie ich. Ein Liedrepertoire, das zugegebenermaßen recht speziell ist. In so einer Sternstunde ist auch die Idee gereift, diese wunderbaren Lieder klanglich zu dokumentieren.

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Liabste Liader lernen

Wir möchten Sie einladen die „Liabsten Liader“ selbst zu singen! Das Kraftvolle dieser Gesänge liegt nicht nur in den Melodien, sondern auch in der Mehrstimmigkeit.
Diese entsteht im freien Zusammensingen, ohne Noten und Chorsatz. Bei Lehrgängen bleibt leider oft nicht die Zeit auf diese Mehrstimmigkeit ausführlicher einzugehen und sie auszuarbeiten, vor allem für die eher Ungeübten. Deshalb ist die Idee entstanden, für die „Liabsten Liader“ klangliches Übematerial bereitzustellen, um nicht nur die Melodie der Lieder zur lernen, sondern um auch die zweite und dritte Stimme oder den Bass nachvollziehen zu können. Christian Weigl, der Tonmeister der CD hat hierfür von jedem Lied (ausser die Geigesang-Lieder) die erste Strophe entsprechend aufbereitet. Um auch der Funktion der einzelnen Stimmen Rechnung zu tragen (so liegt die Hauptstimme oftmals in der Mitte und wird dann übersungen), haben wir sie entsprechend benannt: z.B. Hauptstimme, Überstimme.

Um die gewünschte Stimme zu hören, einfach auf die entsprechende Stimme klicken. Diese Stimme erklingt dann lauter, die anderen Stimmen erklingen leise im Hintergrund dazu, um eine Orientierung zu haben.
Die Reihenfolge der Lieder entspricht der Reihenfolge auf den beiden CDs.
Viel Freude beim Ausprobieren und Singen!

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Liederlust mit Rosenduft

Eine der meistbesungenen Blumen ist sicher die Rose. Ich denke, jedem kommen sofort einige Liedtitel in den Sinn, wenn er an die Rose denkt. Wer hat nicht schon zu den „weissen Rosen aus Athen“ von Nana Mouskouri geschwoft oder sich mit Hildegard Knef gewünscht: „Für mich soll’s rote Rosen regnen?“
Auch im Bereich der Volkslieder findet sich eine Vielzahl an Liedern, in denen die Rose als Symbol für Liebesglück und Liebesleid ihren großen Auftritt hat.

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Goldnes Blatt vom Himmelsbaum – Chorsingtag in Kloster Holzen am 19.11.2016

Bereits zum 11. Mal veranstaltete der Bayerische Landesverein für Heimatpflege mit dem  Referenten-Team um Erich Sepp, Dagmar Held und Eva Horner den Chorsingtag  in Kloster Holzen (dieses liegt zwischen Augsburg und Donauwörth). Ziel dieses Fortbildungstages ist es, weltliche und geistliche Volkslieder im Chorsatz kennenzulernen und mehrstimmig, in der Regel vierstimmig, zu singen. Die allermeisten Chorsätze stammen dabei von Erich Sepp und orientieren sich in vielen Fällen an der mündlich überlieferten Mehrstimmigkeit. 0665-klein
Gerade für kleine Chöre oder Gesangsgruppen, die drei- bis vierstimmig singen, eignet sich der Chorsingtag gut, um ihr Repertoire mit einfachen, leicht singbaren und schön klingenden Chorsätzen zu erweitern.

goldnes-blatt-titelbildIn diesem Jahr lag der Schwerpunkt auf dem im November neu erschienenen Chorheft „Goldnes Blatt vom Himmelsbaum“ – 44 Volkslieder zur Advents- und Weihnachtszeit für gemischten Chor in Sätzen von Erich Sepp. Die Idee war, die vielen schönen Chorsätze, die bei den vergangenen Chorsingtagen vorgestellt und erlernt wurden, in einem Heft gesammelt zu veröffentlichen. Auch einige, noch unbekannte Lieder wurden mit aufgenommen.

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