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Ein Lied kommt nach Hause

Ich hoffe, einige von euch haben schon das ein oder andere der „Liabsten Liader“ zu eigenen Lieblingsliedern gemacht! Zu einigen der Lieder gibt es auch besondere Geschichten, sei es nun zu den Sängern, die die Lieder vorgesungen haben, zur Situation der Aufzeichnung oder zu den Gelegenheiten, bei denen sie gesungen wurden. Eine ganz persönliche Geschichte kann Simone Lautenschlager, die ja auch bei dem Singprojekt „Lauter liabste Liader“ mit dabei war, erzählen. Lassen wir sie jetzt selbst zu Wort kommen:

Als ich im Sommer 2simone003 nach Herrsching zum Bayerischen Dreiklang fuhr, wusste ich noch nicht, mit welchem Schatz ich nach Hause kommen sollte. Wie immer lernte ich in der Singstunde eifrig alle Lieder. Darunter eines, das besonders schwierig auswendig zu lernen war. Ständig noch eine Schleife und noch ein Melodieanhängsel. So schien es mir zumindest. Eine ganze Woche habe ich gebraucht, um die Melodieführung zu lernen.

Und kurz bevor ich nach  diesem Lehrgang in mein Auto einstieg und abfahren wollte, schaute ich auf das Liedblatt im Lehrgangsheft. Da stand unter dem Titel: „Gesungen von Martin Viehhauser, Gögglbach 1976“. Meine Mutter ist eine geborene Viehauser aus Gögglbach. Es stellte sich heraus, dass Dr. Adolf Eichenseer das Lied 1976 von meinem Großvater aufgeBeitrag_Simone_3zeichnet hat.        Aufgrund dieser Erkenntnis fuhr ich also voller Elan nach Hause um sofort meine Mutter zu befragen. Natürlich kenne sie das Stück, sie hat es von ihrem Vater gelernt und zusammen mit ihren Brüdern immer gesungen. Sie habe es früher oft mit ihrem Bruder Albert im Wirtshaus oder auch in Festzelten auf der Bühne gesungen. Aber ich sollte doch mal Onkel Albert und Onkel Martin fragen, weil die beiden es auch heute noch öfter zusammen singen. Also rief ich bei beiden an und verabredete mit ihnen einen Termin. Wir trafen uns im Elternhaus der beiden auf dem sogenannten „Krainhof“, einem Bauernhof etwas abseits von Gögglbach in der Wohnküche. Sie sangen mir damals einige Lieder auf mein Aufnahmegerät. Es war damals meine erste eigene Feldforschung und leider konnte ich mich vor lauter Begeisterung nicht zurückhalten und habe mitgesungen.

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v.l.n.r.: Albert Viehauser (*1943), Simone Lautenschlager, Martin Viehauser (1940-2017)

Deshalb rief ich Jahre später 2016 noch einmal bei den beiden an und fragte sie, ob sie mir die Lieder noch einmal auf Band singen würden. Kurz darauf erhielt ich einen Anruf von Onkel Martin. Ob ich zu Hause wäre, dann würden sie nämlich abends vorbei kommen und mir die Lieder vorsingen. Und so kam es, dass wir drei zusammen mit meinen Eltern am 21.03.2016 in unserer Wohnküche in Adertshausen saßen und einen wunderschönen Abend mit für mich neuen Liedern verbrachten. Ich bin sehr froh, dass ich die beiden noch aufnehmen konnte, weil mein Onkel Martin gut ein Jahr später am 21.06.2017 verstorben ist.

Jetzt könnt ihr euch einen Ausschnitt des schönen und ganz besonderen Gesangs von Martin und Albert Viehauser anhören. Im Liedblatt von Monika Baumgartner ist eine vierstimmige Fassung abgedruckt.

Jetza kaaf ma uns a Paar Hengstala

Mehr über das Projekt „Lauter liabste Liader“

 

Veröffentlicht von

Dagmar Held

Leiterin der Forschungsstelle für Volksmusik in Schwaben

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