LIEDERLUST – Ihr Kinderlein kommet

Auch im Dezember gibt es natürlich ein LIEDERLUST-Lied und was liegt näher als ein Weihnachtslied auszuwählen. Wir haben uns diesmal für eine schwäbische Aufzeichnung entschieden. Genau genommen für eine Melodievariante eines sehr bekannten Weihnachtsliedes, das sicher jeder aus Kindertagen kennt: „Ihr Kinderlein kommet, o kommet doch all“.

Dieses relativ spät entstandene Krippenlied wurde für die Kinderwelt des Biedermeier geschaffen und ist noch von der pädagogischen Morallehre der Aufklärung bestimmt. Der Text des Liedes ist wohl die berühmteste Dichtung des katholischen Theologen und Verfassers moralischer Jugendschriften Christoph von Schmid (1798 – 1816) und soll der Legende nach 1798 oder 1810 in Erinnerung an die heimatliche Dinkelsbühler Weihnachtskrippe entstanden sein. Christoph von Schmid wirkte auch lange Jahre (von 1796 – 1816) im schwäbischen Thannhausen als Benefiziat und Schuldirektor. (nach: Ingeborg Weber-Kellermann, Das Buch der Weihnachtslieder, Mainz 1982). Bekannt wurde das Krippenlied vor allem in der Vertonung von Johann Abraham Schulz (1747 – 1800), in der es bis heute allgemein bekannt ist und zum Standardrepertoire deutscher Weihnachtslieder gehört.

Die von uns gesungene Melodiefassung stammt vom Lehrer, Organisten und Komponisten Anton Höfer, der zur gleichen Zeit wie Christoph von Schmid in Thannhausen lebte und wirkte. Im benachbarten Krumbach ist diese Variante bis heute lebendig und wird noch immer in der Kirche zum Abschluss der Christmette von der Gemeinde auswendig gesungen. Aber nicht nur in der Kirche, sondern auch daheim unterm Christbaum wurde es in den Familien weitergetragen. So erzählte Erna Guratzsch aus Krumbach, dass bei ihr daheim an Weihnachten immer dieses Lied gesungen wurde: „Jetzt sing mr no des ‚Kinderlein kommet’ von dr Oma!“ Mein Kollege Benjamin Schmid hat über das Krumbacher „Ihr Kinderlein kommet“ einen ausführlichen Blogbeitrag geschrieben. Dort findet ihr noch viel mehr interessante Details.

Krippenberg aus der Sammlung des Mittelschwäbischen Heimatmuseums Krumbach

Schwäbisches Krippenparadies
Ganz besonders in Krumbach ist in der Weihnachtszeit auch die enorme Dichte an handgeschnitzten Krippen, die in Kirchen und Privathäusern aufgebaut werden. Diese Gegend wird deshalb auch das „Schwäbische Krippenparadies“ genannt. In vielen Dörfern rund um Krumbach wird die Tradition des Krippenschnitzens bis heute gepflegt. Über mehrere Generationen hinweg sind so wunderschöne Krippenlandschaften mit kunstfertig und sehr individuell geschnitzten Figuren entstanden. Sehr beliebt ist deshalb In der Weihnachtszeit das ‚Krippenschauen’, also das Besichtigen dieser Krippen. Da sie auch oft in Privathäusern stehen, weist ein Stern, der außen am Haus aufgehängt wird, den Weg.

Und nun laden wir euch nach Stoffenried ein, in den Stall von Heinz Strobel. Wenn Maria und Josef damals in Mittelschwaben unterwegs gewesen wären, dann hätten sie sicher ein warmes Plätzchen in diesem schönen Schafstall gefunden. Und so wie ich seine Frau Bärbel kenne, hätte sie sie bestimmt auch gleich ins Haus eingeladen und aufs Wunderbarste bekocht. Aber das wäre dann ja eine andere Geschichte…… Wir bedanken uns jedenfalls recht herzlich für die Gastfreundschaft und die bereitwillige Unterstützung bei all unseren Ideen.

Wir wünschen euch viel Freude beim Zuhören, Schauen und Mitsingen!

Ihr-Kinderlein-kommet-Partitur-Kopie

Alle Beiträge zur LIEDERLUST finden Sie HIER.

Veröffentlicht von

Dagmar Held

Leiterin der Forschungsstelle für Volksmusik in Schwaben

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