Kulturvermittlung – Musik – „Musikregion 3Länder-Eck“

„Lied – Musik – Tanz online“

,,Bei uns war die Welt immer zu Ende“…

Erwin Lipsky
Musiklehrer, Musikant, Journalist, Fotograf und Webdesigner

… so erinnert sich nicht nur Erwin Lipsky an die Zeit zwischen 1949 und 1990. Die Regionen um Wunsiedel und Hof waren lange Zeit lediglich als Grenzland in der Totwinkellage bekannt. An eine Annäherung der Menschen zueinander war nicht im Entferntesten zu denken.

Geografisch-historische Lokalisierung

Im Norden des Freistaates Bayern, wo heute Tschechien, Sachsen, Thüringen und Bayern friedlich aneinander grenzen, trennte bis 1990 der Eiserne Vorhang die oberfränkischen Regionen von Thüringen, vom sächsischen Vogtland sowie von der Tschechoslowakei hermetisch voneinander ab. Mit einem bis zu 5 km breiten Gebietsstreifen und einer Länge von insgesamt knapp 1400 km, davon 422 km allein in Bayern, zog sich ab 1962 eine neue Grenze durch Deutschland. Die Besonderheit Oberfrankens dabei war, im Grenzgebiet zur ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik sowie zur Tschechoslowakei zu liegen und damit von beiden Ländern scheinbar unüberwindbar getrennt zu sein.

Es schienen nicht nur politisch sondern auch kulturell keine Gemeinsamkeiten mehr vorhanden zu sein. Zwei neue, unterschiedliche Staaten mit ebenso unterschiedlichen kulturellen Gegebenheiten waren entstanden.

Erwin Lipsky, aufgewachsen in Schönwald bei Selb, suchte nach regionalen Melodien und Musikstücken, denn es war sein inneres Bestreben, etwas zu spielen, womit er sich verbunden fühlte und das zu den eigenen Wurzeln gehörte. Zunächst wurde er in Selbitz in Oberfranken fündig. Sein Ziel, möglichst viele regionale, traditionelle Musik zu bewahren und neu zu beleben, blieb nicht lange verborgen – Lipskys Leidenschaft wurde publik! Vergessenes, verstaubtes Notenmaterial wurde von Dachböden geholt und ihm zugetragen.

Dem Musikanten war klar, dass traditionelle Musik nur dann einen Aufschwung erfahren kann, wenn diese Musik auch aufgeführt wird. So gründete er 1991 die Gruppe „Dreyschlag“, bestehend aus böhmischen Bock, Krummhorn, Schalmei, Klarinette, Akkordeon, Geige und Schlagwerk. Nicht nur die Besetzung schien anders zu sein – es gelang ihm auch, vergessenen fränkischen und sächsischen Melodien mit neuen kritischen und satirischen Texten wieder Leben einzuhauchen.

„Dreyschlag“ – Erwin Lipsky (Mitte) und Frank Hick (1. v. links) gemeinsam auf der Bühne

Eines der Mitglieder der Gruppe „Dreyschlag“ war Frank Hick. Die „Dreyschlag“-Zeit mit den Erfahrungen des Bühnenprogramms und der Mischung von Stilen beschreibt der Klarinettist/Saxophonist als prägend und beeindruckend. Seine Fertigkeiten auf den Instrumenten und der Spielweise hat Frank Hick als Kind bei erfahrenen und virtuosen Musikanten der Region erlernt.

Seit mehr als zehn Jahren spielt Frank Hick wieder in einer Gruppe – mit seiner Familie – als Hix-Tradimix, mit Stilmischungen von VolXmusik bzw. Tradimix.

Hix-Tradimix – Ferdinand, Frank, Martin und Moritz Hick (v. links)

Gemeinsam mit seinen Söhnen Ferdinand (Klarinette, Cajon), Martin (Akkordeon) und Moritz (Tuba) musiziert Hix-Tradimix gemäß dem Motto: „VolXmusik aus Oberfranken und Sonstwoher“. Ihre Instrumente haben die Söhne u.a. bei erfahrenen Musikanten der Region und in der Musikschule der Hofer Symphoniker gelernt.

Nach und nach schrieben Instrumentallehrer und der Vater Musikstücke, bezogen auf die Fertigkeiten und die Besetzung der „Familienmusik“ Hick. Heute spielen die vier Musikanten meist Stücke aus der „Feder“ des Vaters, der v.a. im Stall den einen oder anderen Einfall hat und über Handy-Aufnahme-Notizen ein neues Stück – mit den Ideen und Anregungen der Söhne – kreiert.

Ob im Rahmen von Bühnenprogrammen, im Wirtshaus, zum Tanz … oder zu den unterschiedlichsten Gelegenheiten, musiziert Hix-Tradimix. Das Spielen für die „Leut“, das Unterhalten des Publikums und die Kommunikation mit Zuhörern, Besuchern und Tänzern, ist für Martin Hick wichtig – Musik ist die Hauptsache, der Ort eher Nebensache.

Die Familie Hick lebt im sogenannten 3Ländereck Bayern-Sachsen-Thüringen. Zu den Nachbarregionen sind es jeweils nur 5 km. Für Frank Hick war die Grenzlage seiner Heimat sehr präsent – auch ihn hat die Wendung „bei uns war immer Ende“ geprägt. Für die Söhne gibt es dieses „Grenz-Bewusstsein“ nicht, weder geographisch – noch musikalisch. Sie leben die Europäische Idee.

Veröffentlicht von

Carolin Pruy-Popp

Leiterin der Beratungsstelle für Volksmusik in Franken, Bad Berneck

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