Herzlich willkommen zum Klingenden Archiv.
Hier möchten wir alte Tanzmelodien aus unseren Notenarchiven wieder zum Klingen bringen, um euch interessantes und gutes Material an die Hand zu geben. Wir erzählen die Geschichte hinter der Handschrift und soweit möglich auch des Musikanten bzw. der Musikantin und stellen euch dazu ausgewählte Stücke samt Tonaufnahmen zur Verfügung.
Hintergrund & Idee
Vor einigen Jahren hat mich Josef Roider aus Katzbach bei Cham bei einem Musikantenmaschkara angesprochen. Er betreibt seit langer Zeit Feldforschung und sammelt Lieder und Notenhandschriften alter Musikanten aus seiner Gegend und deren Geschichte. Im Laufe der Jahre ist sein Privatarchiv zu enormer Größe herangewachsen.
Sein Wunsch ist es, regionale und fast vergessene Stücke aus seinem Archiv für Musikanten zugänglich zu machen. Nach ersten Ideen kam uns leider Corona dazwischen. Darum freut es mich umso mehr, dass wir jetzt, Ende 2025, starten.
Über das Archivmaterial
In alten Handschriften sind oft nur ein bis zwei Melodiestimmen ohne Begleitung zu finden. Was Bass und Nachschlag zu tun haben, wurde in einfacher Tanzmusik häufig nicht notiert.
Zur Musizierpraxis
Prinzipiell möchte ich euch folgende Gedanken mitgeben: Die Spieler einer Musikgruppe übernehmen in der Regel eine der beiden Funktionen – Melodie oder Begleitung. Die Melodiespieler tragen die Tonfolge, die sie umspielen, verzieren bzw. variieren dürfen. Die Begleitung bildet den stabilen Rahmen dafür. Der Bass folgt dem einfachen Bauprinzip eines Grund- bzw. Wechselbasses, die Nachschläger füllen mit bestimmten Nachschlagmustern auf. Wer dieses Prinzip einmal verstanden und etwas geübt hat, der braucht nie wieder Noten und ist frei, seine eigenen Ideen mit einzubringen. Diese Ideen hängen sehr stark von der Spielerfahrung, vom individuellen Geschmack und von der Hörgewohnheit des jeweiligen Spielers ab.
Bass und Nachschlag sollten die Melodie stützen und führen. Sie dürfen gerne mit Durchgängen oder rhythmischen Elementen auffüllen, sofern sich bei der Melodie durch Pausen oder lange Töne eine Möglichkeit dazu bietet. Bitte überlegt euch aber, ab wann es damit zu viel wird. Es sollte immer darum gehen, seine Funktion zu erfüllen und das Musikstück musikalisch aufzuwerten und nicht darum, dass jeder Spieler möglichst viele Noten spielt.
Solltet ihr noch nicht so geübt sein und nicht wissen, was ihr in der Begleitung machen sollt, dann kommt doch zu einem unserer Lehrgänge. Wir zeigen euch gerne einen Einstieg, damit ihr anschließend selber weiterlernen könnt.
Tonbeispiele
Bei den Aufnahmen haben wir uns bemüht, möglichst schwungvolle Tanzmusik zu spielen, was Interpretation, Artikulation und auch das Tempo betrifft. Sie sind unser Vorschlag für eine mögliche Muszierpraxis. Auf keinen Fall sollen sie eine Vorschrift sein, wie die Stücke zu spielen sind. Wenn euch unsere Musizierweise gefällt, übernehmt sie, wenn nicht, dann interpretiert die Stücke auf eure Art und Weise. Oder ihr nutzt die Aufnahmen einfach als Mitspielgelegenheit.
Ich bedanke mich ganz ganz herzlich bei meinen langjährigen Mitmusikanten Josef Roider für die Grundidee und Martin Holzapfel fürs Ideen weiterspinnen. Ohne sie wäre diese Reihe nicht entstanden.
Ich wünsche euch ganz viel Freude beim Musizieren und Kennenlernen der Stücke!

