Nachfolgend stellen wir euch eine Handschrift von Karl Stauber vor. Wir haben die für uns zehn schönsten Schottisch daraus ausgesucht und für euch eingespielt. Ihr findet die dazugehörigen Noten zum Download weiter unten.
Wir wünschen euch ganz viel Vergnügen damit und hoffen, ihr habt genauso viel Freude beim Musizieren, wie wir es hatten.
Die Handschrift: "Schottisch u. Polka f. Es- und B-Klarinette"
Die Handschrift von Karl Stauber stammt aus dem Privatarchiv von Josef Roider, Katzbach/Cham, der sie uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.
Sie enthält neben 42 Schottischen auch 19 Rheinländer und ist feinsäuberlich für Es- und B-Klarinette geschrieben. Andere Stimmen fehlen.
Karl_Stauber_Schottisch und Polka Es- u. B-Kl.
Der Musiker: Karl Stauber (1904-1974)
Durch seine jahrelange Feldforschung hat Josef Roider viele Informationen über den Musiker Karl Stauber zusammengetragen, die er wie folgt zusammenfasst:
Karl Stauber wurde am 17. Februar 1904 im böhmischen Grenzdorf Neu-Prennet (tschechisch: Novy Spalenec), ehemalige Gemeinde Vollmau, gleich drüberhalb der bayerisch-tschechischen Grenze bei Furth im Wald geboren. Er stammt aus einer bedeutenden Musikerfamilie: Sein Vater Johann Stauber sen. sowie dessen Bruder Karl waren bereits Musiker. Sie stammten aus Vollmau und spielten mit der dortigen Kapelle. Der Vater Johann Stauber sen. (13.08.1879 – 24.04.1941) heiratete nach Neu-Prennet und gründete hier eine Familie, aus der neben Karl noch eine Tochter und ein jüngerer Sohn Johann jun. (16.05.1914 – 05.03.1982), ebenfalls ein hervorragender Musiker, hervorgingen. Karl hat die Musik schon in jungen Jahren von seinem Vater gelernt und spielte vor allem Posaune, Tuba und Klarinette, später auch noch Saxofon. Vor dem Zweiten Weltkrieg gehörte er der Kapelle seines Vaters in Prennet und Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre auch der Further Stadtkapelle an.

Neben der Musik arbeitete Karl Stauber noch als selbständiger Schreiner in seinem Heimatort. Der Militärdienst blieb ihm aufgrund einer Fußbehinderung erspart. Nach der Vertreibung ließ er sich – wie sein Bruder Johann – im Rodinger Umland nieder, wohnte zunächst einige Jahre in Oberkreith, baute sich später selbst ein Haus in Mitterdorf und war hier zeit seines Lebens als Berufsmusiker tätig. Er galt als guter, vielfältiger und äußerst routinierter Musiker und wurde daher von vielen umliegenden Blaskapellen wie z.B. Bert Bosl in Cham, Sepp Erhard in Grafenkirchen, Hans Riedl („Raschl“) aus Regenpeilnstein, den Stamsrieder Musikanten, später der Blaskapelle Sepp Köppl in Roding u.v.a. engagiert. In den 1950er und 1960er Jahren „reiste“ er, wie man sagte, auch mit überregional auftretenden „Oberländer“-Kapellen, insbesondere der Bayernkapelle Sepp Bill aus Furth im Wald und der Oktoberfestkapelle Schwarzfischer und ging mit ihnen auf Tournee in ganz Deutschland.


Karl Stauber nahm aber auch selber Musiziergeschäfte an und stellte fallweise eine Kapelle mit Musikerkollegen zusammen. 1964 spielte er damit sogar etliche traditionelle Musikstücke beim Bayerischen Rundfunk ein. Er hat auch viele Noten geschrieben und für seine Kapelle arrangiert, sogar einige Stücke, wie z.B. auch den Marsch „Gruß an Bodenstein“ selber komponiert. Gestorben ist Karl Stauber schließich mit 70 Jahren am 1. Oktober 1974.

Eine Auswahl von 10 Schottischen
Wir wünschen euch ganz viel Spaß beim Musizieren!
Noten zum Download:
eine kleine Auswahl an Schottischen (Karl Stauber) – Eb-/Bb-Klarinette
eine kleine Auswahl an Schottischen (Karl Stauber) – Trompeten in Bb
Schottisch Nr. 1 – Handschrift Karl Stauber

Schottisch Nr. 2 – Handschrift Karl Stauber

Rosen-Schottisch – Handschrift Karl Stauber

Degenbacher Schottisch – Handschrift Karl Stauber

Zigeunerpolka

Schottisch – Handschrift Karl Stauber

Hochzeit-Polka

Du bist verrückt mein Kind – Handschrift Karl Stauber

Schottisch (d’Kouh hod glacht) – Handschrift Karl Stauber

Schottisch – Handschrift Karl Stauber

Die Musikanten
Mein großer Dank gilt den Musikanten, die sich bereit erklärt haben, die Schottischen mit mir einen ganzen Tag lang zu proben und einen weiteren Tag lang aufzunehmen. Ich bin zutiefst dankbar, dass sie ihre große Erfahrung und ihren Spielwitz als Tanzmusikanten mit eingebracht haben.

Die Besetzung:
Eb-Klarinette: Simone Lautenschlager
Bb-Klarinette: Magdalena Roider
Flügelhörner: Alexander Hollmayer, Josef Roider
Basstrompete: Franz Schötz
Tenorhorn: Sebastian Meier
Tuba: Martin Holzapfel


2 Antworten
Hallo Simone,
wow, was für ein Aufwand für die Aufnahmen und die Notensätze für ein so tolles Ergebnis aus Handschriften.
Da können sich die Bläser besonders glücklich schätzen.
Übrigens denkt ihr auch an die Zitherspieler ? Plant ihr da auch unbekannte Juwelen oder spielbare Herzog Maxen’s Sätze oder Berta Reissner’s Noten im Klingenden Archiv zu verteilen ?
Das wäre klasse, damit die zarten Künste der Zupfer, Saiteninstrumente genauso tradiert werden.
Viele Grüße
Margit aus München
Servus mitnand.
Ich bin echt beeindruckt und bewundere euer Engagement. Meinen Respekt und Anerkennung hierfür.
Man kann froh sein, dass diese Stücke nun auch weiterhin gespielt werden können, dank der Noten und eurer Aufnahmen.
Ich kannte zwar einige Melodien, jedoch fehlte mir bis jetzt die entsprechende Zuordnung.
Danke vielmals, – und macht weiter so