22 ✯ In der Still um Mitternacht

Aufnahme-Datum unbekannt
„In der Still der Nacht“ aus dem „Zeitenbuech“ des Stubenberger Liederbuchs
Satz von Heinz Gratz (1943-2001)
Interpret: Malchinger Viergsang

Wir bedanken uns bei Emil Billinger und dem Malchinger Viergsang für das Bereitstellen dieser Aufnahme.

Dieser Notensatz stammt aus einer Publikation des Bezirks Niederbayern: „Auf, auf, ihr Hirten all…“
Hier kommen Sie zum Liederbuch und weiteren interessanten Noten- und Liederbüchern des Bezirks Niederbayern.

Hier können Sie das Liedblatt herunterladen:
In der Still um Mitternacht – Liedblatt
(Alois Schmelz)

Der Malchinger Viergsang

Es muss wohl im Fasching 1980 gewesen sein. Da haben sich die vier gestandenen Malchinger einen Sketch über einen Männer-Viergesang für den Faschingsball ausgedacht und sind das erste Mal aufgetreten. Aufgetreten sind sie eigentlich nicht wirklich, weil zu dem eingeübten Sketch hat auch gehört, dass der Gesang der vier Männer vom Band kommt und sie nur so tun, als würden sie singen. Jedenfalls hat beim Rumblödeln im Rahmen der Sketch-Vorbereitung jemand so im Vorbeigehen gemeint, dass das gar nicht schlecht klingen würde, was sie da gemeinsam singen und so haben sich die vier Malchinger nach dem Faschingsball wieder getroffen und unter der fachkundigen Anleitung der weithin geschätzten Sängerin und Chorleiterin Erika Maier aus Malching tatsächlich mit dem Proben an der Waidlermesse angefangen. Apropos anfangen: die vier Männer haben sich vor jeder Probe erst immer ein wenig Mut antrinken müssen, bevor sie mit dem Singen haben anfangen können…

 Lang hat´s dann aber gar nicht gedauert, bis die vier sich weit über Malching hinaus einen vortrefflichen Ruf bei Veranstaltungen aller Art ersungen hatten. Die Gründungsmitglieder des Malchinger Viergsangs sind Leo Spitzendobler (1. Stimme), Emil Billinger (2. Stimme), Paul Moser (3. Stimme) und Herbert Seitz (Bass). Heinz Gratz, der damalige Volksmusik- und Heimatpfleger des Landkreises Pfarrkirchen, hat sie bei ihren Auftritten auf der Zither begleitet. Ihre musikalischen Vorbilder waren die zu dieser Zeit bereits renommierten und im Bereich Männerviergesang stilbildenden „Inntaler Sänger“ und so verwundert es nicht, dass innerhalb weniger Jahre selbst der Bayerische Rundfunk auf den Malchinger Viergsang aufmerksam geworden ist.

In der Aufnahme des Malchinger Viergsangs hören wir „In der Still um Mitternacht“, ein Hirtenlied aus dem sogenannten „Stubenberger Liederbuch“, dem größten Liedschatz alter, volkskundlicher Lieder im bayerischen Raum, dessen Original sich in der Bayerischen Staatsbibliothek in München befindet. Die Aufzeichnungen des Stubenberger Liederbuches stammen aus den Jahren 1776 bis 1815, die Lieder selbst sind natürlich zum Großteil viel früher entstanden. Das Stubenberger Liederbuch besteht aus zwei Teilen, dem „Gesängerbuech“ mit über 700 Liedern und dem „Zeitenbuech“ mit ungefähr 100 Liedern, die entsprechend den Festen im katholischen Kirchenjahr geordnet sind. „Gesammelt und aufgeschrieben wurden die Lieder […] von dem Lumpensammler Phillipp Lenglachner (1769-1823), der in der Nähe von Stubenberg in Thal (heutiges Schachenthal) gelebt hat.“ (Zitat aus dem Bavarikon-Eintrag zum Stubenberger Liederbuch)

Die Originalbesetzung des Malchinger Viergsangs in den 80er Jahren vor der Kulisse Braunaus, stehend im Hintergrund.

Alois Schmelz erinnert sich zurück: Mit dem Malchinger Viergsang hab ich aufwachsen und viele Veranstaltungen in Malching gemeinsam musikalisch umrahmen dürfen. Mir reichen ganz wenige Takte dieser Aufnahme und ich finde mich sofort wieder zurückversetzt in die 80-er Jahre nach Malching.  Warum ich allerdings erst beim Bayerischen Landesverein für Heimatpflege auf das Stubenberger Liederbuch gestoßen bin, wird mir ewig ein Rätsel bleiben, zumal ich dreizehn Jahre lang in den Nachbargemeinden von Malching und Stubenberg zur Schule gegangen bin. Malching und Stubenberg trennen nur wenige Kilometer.

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