
Schleifer
Es musizieren die Spessart Spielleut – Franz Berwind (Böhm. Bock), Hans Heilgenthal (Tromp.), Lissy Heilgenthal (Akk.), und Anette Berwind (Kontrabass)
Die Aufnahme ist veröffentlicht auf der CD „Dudelsack und Pfeifen klingt – Hirtenmusik und Lieder zur Weihnachtszeit aus Franken“ der Spessart Spielleut.
Wir bedanken uns ganz herzlich für die Genehmigung, sie hier abspielen zu dürfen.

„Schleifer“ [Achtung! Nicht zu verwechseln mit den Zwiefachen, die im südlichen Mittelfranken und nördlichen Schwaben auch „Schleifer“ genannt werden.] finden sich neben „Deutschen“, „Menuetten“, „Ländlern“ etc. in frühen Notenhandschriften aus der Zeit ungefähr von der zweiten Hälfte des 18. bis zum ersten Drittel des 19. Jahrhunderts. Z.B. finden sich sehr viele Schleifer in der Notenhandschrift des Heinrich Nicol Philipp (Seibis 1784) – einem der ältesten Zeugnisse ländlicher Tanzmusik in Thüringen. Diese sind teils im 3/4-Takt und teils im 3/8-Takt notiert.
Es handelt sich hierbei, vergleichbar mit dem Ländler, um eine Frühform des Walzers. Seinen Namen verdankt dieser Tanz wohl hauptsächlich dem dabei angewandten Schleifschritt. Die Schritte werden also nicht getreten sondern verschliffen. Lt. Aenne Goldschmidt handelt es sich bei den Schleifern um Werbetänze, deren Melodien in der Regel zweiteilig sind. Dabei wird der erste Teil in der Form einiger ländlerartigen Figuren und der zweite Teil als Paar-Rundtanz getanzt. [Quelle: Goldschmidt, Aenne; Maass, Thea: Volkstänze aus Thüringen und der Rhön. Textband, Stuttgart, 1996, S. 31-39]
Heute werden die Schleifer-Melodien oftmals etwas langsamer gespielt – wie hier in dieser Aufnahme – und eher als festliche Musik interpretiert und finden so oft Verwendung bei geistlichen Volksmusikveranstaltungen (Advents-, Marien-, Passionssingen etc.)
Die genaue Herkunft dieses „Schleifers“, der in den Noten der Spessart Spielleut auch als „Brauttanz“ tituliert ist, konnten wir leider noch nicht herausfinden.
Hier können Sie das Notenblatt herunterladen:
Schleifer_Brauttanz – Notenblatt
(Franz Josef Schramm)

Information zur Aufnahme: Die wunderbare CD „Dudelsack und Pfeifen klingt – Hirtenmusik und Lieder zur Weihnachtszeit aus Franken“ der Gruppe Spessart Spielleut enthält sowohl traditionelle Volksweisen als auch Eigenkompositionen, die von den vier Musiker/-innen in liebevoller Kleinarbeit zusammengetragen und arrangiert wurden. Leider ist diese CD nicht mehr erhältlich.

4 Antworten
Eine sehr schöne Aufnahme, herzlichen Dank dafür! Da fühlt man sich gleich aufs Hirtenfeld versetzt.
Sehr schön! Ein Dudelsack bringt in der Volksmusik einen ganz anderen, ungewohnten Klang…. erinnert mich an französische Bal folk Musik: )
Vielen Dank für diesen schönen Beitrag!
Schade, dass die CD nicht mehr erhältlich ist. Es wäre auch schön, wenn der Dudelsack in der Volksmusik wieder eine etwas größere Rolle spielen würde.
Danke, diese CD ist seit vielen Jahren unter all meinen Lieblings-CDs meine allerliebste Weihnachts-CD , die ich auch im Sommer gerne höre, weil mich die Musik im größten Stress beruhigt und entspannt..Schade, dass es sie nicht mehr gibt. Ich hab sie gerne verschenkt.
Wieder ein schöner Start in eine neue Woche.