

„Glück auf, …“ – traditionell mit adventlichem Ausflug spielten DanzMelange – Martin Hick (Akkordeon) und Carolin Pruy-Popp (Geige & Gesang) ihre drei liebsten Strophen ein.
Glück auf! – Warum Barbaratag, Steigerlied und Bergmannsgruß bis heute bewegen
Der Bergbau ist in Deutschland weitgehend Vergangenheit – seine kulturellen Spuren aber wirken fort. Ob im Ruhrgebiet, im Erzgebirge, im Harz oder in den verschiedenen Regionen Bayerns: Überall begegnet man einer Tradition, die mehr umfasst als historische Technik. Der Barbaratag, das Steigerlied und der Gruß „Glück auf!“ gehören zu ihren sichtbarsten Symbolen. Seit 2023 zählt das Singen des Steigerlieds offiziell zum Immateriellen Kulturerbe. Es steht für Werte, die Bergleute über Jahrhunderte geprägt haben: Mut, Zusammenhalt und Hoffnung.
Eine Kultur mit Tiefenschärfe
Der Bergbau entwickelte früh eine eigene Ritual- und Symbolwelt. Arbeit unter Tage bedeutete Dunkelheit, Gefahr und körperliche Härte. Gemeinschaft, Orientierung und feste Traditionen waren überlebenswichtig – und wurden zum Kern einer Identität, die bis heute nachwirkt. Auch wenn die letzten Steinkohlenzechen 2018 schlossen, pflegen Museen, Knappschaftsvereine, Chöre und Familien diese Kultur bewusst weiter.
4. Dezember: Der Barbaratag – ein Fest der Zuversicht
Am 4. Dezember erinnern Bergleute an die heilige Barbara, deren Legende Themen berührt, die im Arbeitsalltag der Kumpel allgegenwärtig waren: Enge, Gefahr und die Hoffnung auf Schutz. Barbara galt als himmlische Begleiterin beim Einfahren in die Grube – ein starkes Symbol in einem Beruf, in dem ein Fehltritt existenzielle Folgen haben konnte.
Barbarazweige – ein Brauch mit Wurzeln im 17. Jahrhundert
Am Barbaratag schneiden Menschen traditionell Obstzweige und stellen sie ins Wasser. Blühen sie an Weihnachten, gelten sie als gutes Omen. Gerade in Bergmannsfamilien war dieser Brauch ein wichtiges Zeichen religiöser Verbundenheit und winterlicher Hoffnung.
Die Kirschzweig-Sage
Eine Bergmannssage erzählt von einem Arbeiter, der die Barbarastatue im Schacht mit blühenden Zweigen schmückte. Nach einem schweren Unglück soll ein erblühter Kirschzweig ihm den Weg ans Licht gewiesen haben. Solche Erzählungen stärken bis heute den symbolischen Rang der Barbara als Schutzfigur.
Das Steigerlied – die musikalische DNA des Bergbaus
„Glück auf, der Steiger kommt“ ist weit mehr als ein Lied. Seit dem 16. Jahrhundert begleitet es den Bergbau als musikalisches Erkennungszeichen. Es thematisiert harte Arbeit, Kameradschaft und die Hoffnung auf eine sichere Heimkehr. Der Gruß „Glück auf!“ darin verweist ursprünglich auf die Erwartung, dass sich der Berg „auftut“ – sei es durch neues Erz oder durch einen heil zurückgelegten Weg.
Ein Lied in Bewegung – und in vielen Klangfarben
Heute zeigt sich die Lebendigkeit des Steigerlieds vor allem in seiner Vielfalt. Neben historischen Einspielungen von Bergkapellen existieren Neuarrangements für Orchester und Chöre sowie jazzige Interpretationen, die das Motiv in zeitgenössische Kontexte überführen. Die Bandbreite macht deutlich: Das Steigerlied ist kein museales Objekt, sondern kulturell aktiv.
Auch wir von DanzMelange haben uns davon inspirieren lassen und unsere drei liebsten Strophen – traditionell mit einem kleinen adventlichen Ausflug – eingespielt.
Ein weiteres akustisches Dokument findet sich ebenfalls in diesem Beitrag: eine historische Aufnahme des „Glück auf“, die uns Andreas Riedel zugesandt hat. Er spielte eine 97 Jahre alte Schellackplatte auf seinem Grammophon ab – eine seltene Tonquelle, die den Klang vergangener Bergbauzeiten authentisch hörbar macht.
„Glück auf!“ – Gruß und Haltung
Der bergmännische Gruß „Glück auf!“ ist aus einem praktischen Wunsch entstanden: Dass sich ein Erzgang auftut und dass man heil aus der Grube zurückkehrt. Mit der Zeit wurde daraus ein regionales Erkennungszeichen und ein Ausdruck von Optimismus trotz schwieriger Arbeitsbedingungen. Heute findet man den Gruß in Vereinsnamen, auf Zechengeländen, in Museen – und im Stadion des FC Schalke 04. Er steht längst für ein Gefühl von Zusammenhalt.
Immaterielles Kulturerbe – Bedeutung über Generationen
Die Aufnahme des Steigerlieds in das Immaterielle Kulturerbe 2023 zeigt: Kulturelles Erbe ist nicht nur materiell, sondern lebt in Praktiken, die Menschen weitertragen. Die Anerkennung stärkt Forschung, Vermittlung und regionale Identität – und unterstreicht die Relevanz einer Tradition, die auch jenseits des aktiven Bergbaus Bestand hat.
Erinnerung mit Zukunft
Vereine, Museen und ehrenamtlich Engagierte halten die Bergbaukultur heute lebendig. Kinder laufen bei Bergparaden mit, Chöre singen das Steigerlied, ältere Bergleute geben ihre Erfahrungen weiter. In Zeiten des Strukturwandels schafft diese Tradition Verbundenheit und erinnert an Werte, die in vielen Regionen identitätsstiftend geblieben sind: Solidarität, Mut und Verantwortung füreinander.
Fazit: Ein Erbe, das weiterträgt
Barbaratag, Steigerlied und der Gruß „Glück auf!“ sind keine nostalgischen Relikte, sondern gelebte Kultur. Sie stehen für Hoffnung in schwierigen Zeiten, Gemeinschaft in Gefahr und Stolz auf harte Arbeit – und dafür, dass Traditionen weiterwirken, solange Menschen sie mit Bedeutung füllen.
Glück auf!
Recherchen u.a.:
Traut, Horst: Das Thüringer Volksliederbuch. Rudolstadt. 1995. S.82
Breuer, Hans (HG) u.a: Der Zupfgeigenhansl. Edition Schott, Mainz. 1981. S. 184.
Steinmetz, Horst (HG): Die Coburger Liederhandschrift des Friedrich Briegleb. Hammelburg. 1984. S. 135/299
https://www.liederlexikon.de/lieder/glueck_auf_glueck_auf_der_steiger_kommt
https://de.wikipedia.org/wiki/Steigerlied
https://www.unesco.de/staette/singen-des-steigerlieds/
https://www.so-geht-saechsisch.de/steigerlied

Hier können Sie das Liedblatt herunterladen:
Glück auf, Glück auf – Steigerlied

Eine historische Aufnahme von Andreas Riedel aus einer 97 Jahre alten Schellackplatte.

Herzlichen Dank für die Unterstützung zu diesem Adventsbeitrag:
Dr. Heidi Christ (Leiterin der Forschungsstelle für fränkische Volksmusik), Andreas Riedel (Erzgebirge), Robert Wallschläger (Erzgebirge), Martin Hick (Unterhartmannsreuth)

6 Antworten
Ein sehr informativer Beitrag zum Barbaratag, passend dazu das Steigerlied, mit Geige, Akkordeon und Gesang perfekt eingespielt. Vielen herzlichen Dank. Optimismus in schwierigen Zeiten – ein Wegweiser damals wie heute. Glück auf!
Carolin, ein sehr passender Beitrag mit Musik und Gesang zum
Barbaratag.
Der Anhang über Barbaratag,Steigerlied und Bergmannsgruss ist sehr
Interressant zu lesen.
Sehr schönes Lied zum Barbaratag.
In der Oberpfalz gibt es noch viel Tagebau. Da kommen Erinnerungen hoch. Ich arbeitete auch in einem Kaolinwerk. Vielen Dank dafür.
Glück auf!
Herzlichen Dank für diesen so passenden Beitrag zum Barbaratag! Und die Gedankenanregungen.
Vielen Dank für das schöne Lied und die dazu gehörige interessante Erklärung. Mein Vater war in seiner Heimat in der Oberpfalz im Bergbau tätig. Glück auf!
Ein gelungener Beitrag zum Barbaratag, dem Festtag der Bergleute!
Fensterchen für Fensterchen bringen uns Eure Musik, Lieder und Texte viel Freude!!
Glück auf! Aus dem Kaolinpott Hirschau-Schnaittenbach