
Schönster Schatz, jetzt muss i wandern – bei diesen Liedzeilen denk ich unwillkürlich an Sommer, an einen Weg durch blühende Wiesen, an duftendes Sommergras. Warum das so ist, ich weiß es nicht. Vielleicht weil ich das Lied im Sommer auf einer Volksmusikwoche beim Wandern durch eine Sommerwiese gelernt habe?! Auf jeden Fall stellt sich beim Singen zuverlässig so ein leises Gefühl der Wehmut, aber auch der tröstlichen Wärme ein. Und das tut gut. Deshalb möchte ich euch dieses ‚Herzenslied’ nicht vorenthalten und wünsche euch viel Freude beim Lauschen, Lernen und Mitsingen!
Von wem ich das Lied gelernt habe, das kann ich gar nicht mehr sagen. Auf jeden Fall hat es mich sofort ‚gepackt’ und seither ist es fester Bestandteil meines ganz persönlichen Liedrepertoires. Vielleicht kennt ihr das ja auch?! Es gibt Lieder, die bringen innerlich sofort etwas zum Klingen, die möchte man auch singen können, die möchte man festhalten. Andere Lieder rauschen einfach so vorbei und hinterlassen keine nachhaltigen Spuren.
Das können bei Jedem völlig unterschiedliche Lieder sein. Im besten Fall gehen sie ins persönliche Liedrepertoire über. Aber das ist ja gerade das Spannende und Schöne. Auf diese Weise entsteht ein ganz persönliches Klangbild. Hermann Härtel aus der Steiermark hat es so schön ‚den Fingerabdruck der Seele’ genannt. Auf jeden Fall lohnt es sich, einmal dem eigenen musikalischen Fingerabdruck nachzuspüren. Ich bin überzeugt, da gibt es einiges zu entdecken.

Nun aber endlich zu unserem Liederlust-Lied ‚Schönster Schatz, jetzt muass i wandern’.
Es findet sich in zahlreichen Liederbüchern und war und ist im bayerisch-österreichischen Raum weit verbreitet. Hier ein paar Beispiele, wo es überall gedruckt zu finden ist:
In der österreichischen Liedersammlung „Stimme der Heimat, ein österreichisches Volksliederbuch“ von Georg Kotek und Raimund Zoder (erschienen 1948) ist es mit dem Vermerk „aufgezeichnet in Pielach in Niederösterreich“ abgedruckt. Alfred Quellmalz hat es in den 1960er Jahren in Tartsch bei Mals und im Ultental von alten Sängerinnen und Sänger abgehört und in der Liedersammlung ‚Lieder aus Südtirol’ 1968 veröffentlicht.
Auch aus Bayern gibt es zwei interessante Belege.
Einmal aus Niederbayern: Dort konnte es der Volkskundler Wolfgang A. Mayer 1978 von Josef Schleinkofer aus Hunderdorf bei Bogen aufzeichnen. Und aus Mittelfranken: Leonhard Bauer (in den 1920er Jahren Trompeter bei der legendären Ersten Fränkischen Bauernkapelle Konrad Dorn aus Happurg) hat es 1980 schriftlich übermittelt und schreibt dazu: „Dieses Lied wurde in der Hersbrucker Gegend von den Burschen gerne unter den Fenstern der Mädchen gesungen.“

Vermutlich handelt es sich ursprünglich um ein Soldatenabschiedslied, denn in den gedruckten Fassungen finden sich noch zwei weitere Strophen:
Liebster Schatz, ich bin geschossen,
eine Kugel hat mich getroffen.
Nur um eines bitt ich dich,
wenn ich gestorben bin, begrabe mich.
Auf meinem Grabstein kannst du lesen,
dass ich dir bin treu gewesen.
Dir stets treu zu sein, war meine Pflicht,
Schatz, mein Schatz, leb wohl, vergiss mich nicht!
Diese beiden Strophen haben es nicht bis in die Jetzt-Zeit geschafft. Und das ist auch völlig in Ordnung und ein ganz normaler Prozess bei Liedern, die mündlich weitergetragen werden. Es verändert sich manchmal eine Melodiewendung oder ein Wort. Aber natürlich können auch ganze Strophen im Laufe der Zeit verloren gehen. Und manchmal ist das auch gut so.
Wir hoffen nun, euch gefällt dieses schöne Abschiedslied genauso gut wie uns. Vielleicht wird es ja sogar eins von euren Herzensliedern!?
Wir wünschen euch auf jeden Fall ganz viel Freude beim Lauschen und Mitsingen!
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2 Kommentare
Wunderbar, vielen lieben Dank für die Auffrischung dieses schönen Liedes.
So a schans Liedl