
„Singend kommt der Lenz. Ein Vogellied eingerahmt von Apfelblüten.“ Was für ein wunderbares Bild für den Frühling. Wer feiert ihn nicht nach diesem langen und bei uns auch recht grauen Winter. Wenn am Morgen die Vögel um die Wette singen oder am Abend endlich ‚meine’ Amsel wieder vom Dachfirst trällert, dann könnte ich platzen vor Glück. Beim letzten Spaziergang hat mir auch schon eine Nachtigall ihr Lied vorgesungen. Einfach nur schön. Kein Wunder, dass sie in Liedern und Geschichten das Sinnbild für den Frühling ist.
Um eine Nachtigall geht es auch in unserem neuen LIEDERLUST-Lied. Und welche Rolle sie hier spielt, das erfahrt ihr gleich.
Aber zunächst einmal ein paar Informationen zur Nachtigall als Singvogel.
Stefanie Bernhardt vom Landesbund für Vogelschutz beschreibt die Nachtigall so:
Die Nachtigall wird wegen ihres melodischen und abwechslungsreichen Gesangs häufig in der Literatur erwähnt, wie zum Beispiel in William Shakespeares „Romeo und Julia“ (Es war die Nachtigall und nicht die Lerche). Prominente Komponisten, wie Ludwig van Beethoven und Chopin haben sich von der Meistersängerin inspirieren lassen und ihren Gesang in Kompositionen nachempfunden. 120 bis 260 unterschiedliche Strophentypen beherrscht die Nachtigall, die ihren Gesang nicht nur nachts vorträgt. Der Gesang am Tag dient hauptsächlich der Revierverteidigung. Mit dem nächtlichen Gesang lockt das Männchen eine Partnerin an. Ihr Äußeres ist überraschend unauffällig und schlicht im Vergleich zum unüberhörbaren Gesang. Ein schlichtes Äußeres, aber eine gewaltige Stimme – das sind die Hauptkennzeichen der Nachtigall. Ihre Oberseite ist braun, Schwanz und Bürzel sind bei genauem Hinsehen rostrot. Nachtigallen leben in unterholzreichen Laubwäldern, vorzugsweise in der Nähe eines Gewässers. Auch in strukturreichen Gärten mit viel Unterholz und Gebüsch trifft man sie an. Die Nachtigall ist ein Zugvogel und verbringt den Winter im tropischen Afrika.

Der Gesang der Nachtigall ist überaus komplex und sehr phantasievoll. Es kommen gezwitscherte und geflötete Laute vor, reich verziert mit Trillern, deren Tonumfang ganz verschieden sein kann. Neben schnellen und schnellsten Koloraturen kommen auch langgezogene Töne vor, die klagend oder sehnsüchtig wirken und als besonders charakteristisch gelten. Dieser unscheinbare kleine Vogel ist einfach ein begnadeter Sänger, der mit seinem Gesang die Herzen berührt. In Hans Christian Andersens Märchen ‚Die Nachtigall’ wird der Kaiser von China sogar sterbenskrank, als er den bezaubernden Gesang der Nachtigall nicht mehr hören kann.
Der Zauber des Gesangs der Nachtigall spiegelt sich auch in vielen Volksliedern wider. Hier zwei Beispiele:
„Alles schweiget, Nachtigallen,
locken mit süßen Melodien
Tränen ins Auge, Schwermut ins Herz.“
‚Nachtigall, ich hör dich singen, s’Herz im Leib möcht mir zerspringen’.

In der Liedsymbolik gilt die Nachtigall als Symbol für die Liebe. Sie kann eine Botin für Liebende sein. In unserem Lied wird sie als Metapher für eine junge Frau eingesetzt, die von einem Burschen umworben wird, der sie gerne heiraten möchte. So könnte man den Inhalt des Liedes kurz und nüchtern zusammenfassen. Im Lied wird es allerdings sehr viel poetischer formuliert. Es ist von rotem Gold und silbernen Ringen die Rede, die sie bekommt, wenn sie seine Bitten erhört. Doch ihre Freiheit ist ihr lieber: ‚Was soll ich mit dem roten Gold, was soll ich mit den Ringen, ich bin des Waldes kleins Vögelein und niemand kann mich zwingen.’
Das will der Abgewiesene nicht auf sich sitzen lassen und eine gewisse Drohung schwingt bei den Zeilen mit: ‚Bist du des Waldes kleins Vögelein und kann dich niemand zwingen, so zwingt dich doch Reif und kalter Schnee, wenn das Laub fällt von der Linde.’

Vorgesungen hat mir dieses schöne Lied Nikolaus Michl (*1929) bei einer Befragung im Oktober 1993 in Schwabsoien (Lkr. Weilheim-Schongau). Ursprünglich stammt Herr Michl allerdings aus Ortzidorf, einer ehemals pfälzischen Siedlung im rumänischen Banat.
Der Volksmusikant und Lehrer Sepp Rüth aus Marktoderdorf hat mich auf Herrn Michl aufmerksam gemacht. Er war der Vater eines Lehrerkollegen.
So geht es oft. Einer kennt jemanden, der wieder jemanden kennt, der was Interessantes weiß. Zum Glück kann man da nur sagen, denn die Befragung war wirklich sehr interessant und Herr Michl ein sehr geduldiger Gewährsmann, der uns mit seiner schönen Stimme noch viele Lieder aus seiner alten Heimat vorsingen konnte. Hier könnt ihr ihn hören:
Varianten dieses Liedmotivs sind seit Mitte des 16. Jahrhunderts belegt. Im ‚Deutschen Liederhort’ von Franz Magnus Böhme (Leipzig 1893) finden sich Hinweise auf Aufzeichnungen aus Bonn, Berlin und auch aus dem schwäbischen Wurmlingen.
Bei dieser Aufzeichnung aus Wurmlingen gibt es noch einen interessanten Vermerk:
‚In Schwaben wurde das Lied noch unlängst bei Hochzeiten dem Brautpaar vorgesungen.’
Bei dieser Hochzeitsvariante gibt es auch noch eine zusätzliche Strophe:
Soll ich mein Kränzlein halten fest, so will mir’s doch nicht bleiben,
viel lieber trag ich den Schleier weiß, umwunden mit gelber Seiden.
Die poetische Sprache des Liedes täuscht ein wenig über die harte Aussage hinweg, dass sich die Frau zu fügen hat, ansonsten bleibt sie halt übrig. Zum Glück haben sich die Zeiten geändert. Heute können die jungen ‚Mägdelein‘ frei entscheiden, was für ein Leben sie führen möchten.
Diesmal sind wir in den Räumen des Klosters Roggenburg im Landkreis Neu-Ulm zu Gast. Genau genommen in der alten Darre im ehemaligen Prälatengarten des Klosters. Wir bedanken uns sehr, dass wir hier aufnehmen durften.
Wir hoffen nun, dass euch das Lied von der freiheitsliebenden Nachtigall genauso berührt wie uns und wünschen euch ganz viel Freude beim Lauschen und Mitsingen!
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3 Kommentare
Vielen Dank liebe Dagmar für dieses wunderschöne Lied. Ich war heute am 27. April auf der Suche nach einem Lied über die Linde in Erinnerung an meine kürzlich verstorbenen Eltern. Gemeinsam haben sie jungen Jahren vor dem Bauernhaus eine Linde gepflanzt und es war ihnen jedes Jahr eine große Freude, wenn sie im Frühjahr wieder austrieb und sie darunter sitzen, den Vögeln zuhören und dort Brotzeit machen konnten. Heute nun treffen wir Kinder, erstmals ohne unsere Eltern, dafür aber mit ihren Enkelkindern unter der Linde zusammen um an sie zu denken. Ich werde meine Zither und dieses schöne Lied mitnehmen und mal sehen, ob es gelingt, dass wir es gemeinsam singen. Ganz herzlichen Dank auch an die Gruppe Liederlust für diese wunderbare Einrichtung.
Vielen Dank , liebe Dagmar und
den beiden anderen Sängern
Es ist ein wunderschönes Frühlingslied ,
Ich habe mich sehr darüber gefreut
Herzliche Grüße, Gebhard K.
Statt „Radio-Geplärre“ euer Lied zur Brotzeit angehört.
Danke für das sehr schön gesungene Lied.
Mit Frühlingsgrüßen verbleibt
Ursula