LIEDERLUST ♪ 56 – Es kann ja nichts Schönres geben

„Es kann ja nichts Schönres geben als ein Fuhrmann zu sein, des Nachts auf der Landstraß, wenn der Mond so hell scheint.“ Mit diesen schwärmerischen Worten beginnt unser neues Liederlustlied, mit dem wir euch in den Herbst begleiten möchten.

Da möchte man doch am liebsten auch gleich seine Sachen packen, sich in Gedanken neben den Fuhrmann auf den Kutschbock setzen und mitfahren. Springt da auch gleich euer Kopfkino an? Unterwegs sein, bei sonnigem Herbstwetter die Landschaft genießen, sich den Wind um die Nase wehen lassen und wenn man Hunger hat, im nächsten Wirtshaus einkehren.

Doch halt! Diese romantische Vorstellung des Fuhrmannslebens, wie es in vielen Liedern dargestellt wird, stimmt nur bedingt mit der Realität überein. Die Fuhrleute früher sind die Fernfahrer von heute. Unter ständigem Zeitdruck tage-, wochen- oder sogar monatelang unterwegs sein und die Wochenenden auf irgendeinem Parkplatz an der Autobahn verbringen. Romantisch ist das sicher nicht. Ich möchte nicht tauschen.
Aber es liegt wahrscheinlich in der Natur des Menschen, sich lieber an die schönen Dinge zu erinnern als an die schlechten. Und lieber von schönen Dingen zu singen, als von unangenehmen. Womit wir wieder bei unserem Fuhrmannslied wären.

Kennengelernt habe ich es, wie so viele andere Lieder auch, auf der Volksmusikwoche „Bayerischer Dreiklang“, die seit über 50 Jahren immer in der ersten Sommerferienwoche in Herrsching am Ammersee stattfindet. Veranstalter ist der Bayerische Landesverein für Heimatpflege. Dort treffen sich alljährlich begeisterte Volksmusikanten und Volksmusikantinnnen zum Singen, Musizieren und Tanzen aus allen Bezirken Bayerns, also aus Altbayern, Franken und Schwaben. Deshalb auch der Name des Lehrgangs: Bayerischer Dreiklang. Ich kann mich noch gut an meinen ersten „Dreiklang“ 1984 erinnern. Ganz besonders beeindruckt haben mich die nächtlichen Singsessions im Bierstüble. Es erklangen Lieder, die ich in dieser Art noch nie gehört hatte. Lange geheimnisvolle Balladen, weit ausholende Arien aus dem Bayerischen Wald und herzbewegende Liebeslieder. Man stellte sich eng zusammen um dem Klang besser nachspüren zu können, dem anderen besser den Text von den Lippen ablesen zu können. Man suchte sich eine Stimme dazu, drüber oder drunter und das Ganze wurde von einem Bass begleitet, der scheinbar ohne Pause jedes Lied mit einer fast archaischen Kraft trug. Für mich war es einfach unglaublich – kraftvoll und faszinierend. Ich war vollkommen verzaubert und wollte diese Lieder unbedingt auch selbst singen können. Aber es war gar nicht so einfach an die Lieder zu kommen, denn die meisten davon gab es nicht gedruckt bzw. in Liederbüchern veröffentlicht. Es waren oftmals Aufzeichnungen von Feldforschungen, die der Landesverein zusammen mit dem Institut für Volkskunde in allen bayerischen Bezirken durchgeführt hat. Die dort aufgezeichneten Lieder waren die Fundgrube für die Liedvermittlung auf den Lehrgängen, um so den Blick zu öffnen für die reiche und vielfältige Liedtradition in Bayern.

Max setzt Christoph ins rechte Licht!

Auf diese Weise kam auch das Lied vom Fuhrmann nach Herrsching. Peter Denzler, ein Tubist aus Sassanfahrt in Oberfranken hat das Lied von seinem Großvater gelernt und in den 1980er Jahren zum „Bayerischen Dreiklang“ mitgebracht und mit allen gesungen. Im Bierstüberl gehörte es eine zeitlang zum festen Repertoire. Aber nicht nur in Sassanfahrt, das im Landkreis Bamberg liegt, war das Lied bekannt, sondern in ähnlicher Form auch in der Rhön.

Mein fränkischer Kollege Franz Josef Schramm hat dort zwei Belege dafür gefunden. Einmal aus Stellberg, abgedruckt in der Sammlung „Das Volkslied im bäuerlichen Jahr der Rhön“ von Otto Mahr. Und er konnte es auch selbst aufzeichnen. Anna Arnold (1910-2005), eine sehr liedkundige Sängerin aus Langenleiten in der Rhön hat es ihm 1991 vorgesungen.

Aber nun ist es wirklich Zeit zum Singen! Wir hoffen das Lied vom Fuhrmann gefällt euch genauso gut wie uns und lässt euer Kopfkino anlaufen – unterwegs sein, bei sonnigem Herbstwetter die Landschaft genießen und sich den Wind um die Nase wehen lassen……

Leider hat das mit dem sonnigen Wetter bei unseren Aufnahmen nicht so gut geklappt. Zum Glück hatten wir die Möglichkeit in den schönen Räumen des Bildungszentrums in Roggenburg zu filmen. Dafür bedanken wir uns ganz herzlich bei Pater Roman Löschinger.

Wir wünschen euch nun viel Freude beim Lauschen, Lernen und Mitsingen!

Es kann ja nichts Schönres geben Kopie – Partitur

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