9 ✯ Ave Maria, jungfräuliche Zier

Ave Maria, jungfräuliche Zier (Str. 1,2,3,10 und 11)
gesungen von Christoph Lambertz und Dagmar Held

Neugestaltet nach Adolf J. Eichenseer, Advents- und Weihnachtslieder aus der Oberpfalz, aus Niederbayern, dem Egerland und aus dem Böhmerwald, Regensburg, MZ-Verlag 1980, S. 18-19 (dort wiedergegeben nach Adalbert Jungbauer, Das Weihnachtsspiel des Böhmerwaldes, Prag 1911).
Der Text in der Vorlage ist arg zersungen. Deshalb habe ich – leicht angepasst – einen in Teilen sehr ähnlichen Text aus der Steiermark wiedergegeben; dieser ist abgedruckt in: Volksmusik in der Steiermark. Sammlung Lois Steiner: Lieder des Weihnachtsfestkreises, hg. vom Steirischen Volksliedwerk, Wien 1995 (= COMPA 4/1), S. 86-87.


Hier können Sie das Liedblatt herunterladen: Ave Maria, jungfräuliche Zier – Liedblatt

Das Fest Mariä Verkündigung, das man seit 1969 offiziell als „Verkündigung des Herrn“ bezeichnet, wird seit dem 6. Jahrhundert am 25. März gefeiert, also genau neun Monate vor der Geburt Christi. Trotz dieses Termins im Frühling ist die Verkündigung – der Besuch des Engels Gabriel bei Maria und seine Botschaft von der wundersamen Empfängnis Jesu – eng mit dem Weihnachtsfest verbunden. So werden auch die Verkündigungslieder den Liedern im Weihnachtskreis zugerechnet. Diese Lieder sind oft als Dialog zwischen Maria und dem Engel gestaltet. Der Engel eröffnet seine Rede meist mit dem Beginn des „Ave Maria“, der dem Lukas-Evangelium entnommen ist (1, 28), wie diese Lieder überhaupt stark an die biblische Vorlage angelehnt sind. Daraufhin entwickelt sich ein an Bildern und Symbolen reiches Gespräch zwischen der erschrockenen Maria – die anfangs die Botschaft des Engels nicht verstehen kann – und dem Engel Gabriel, der sie beruhigt und ihr alle Zweifel und Ängste nimmt. Viele Verkündigungslieder bringen in der (vor)letzten Strophe wieder ein Bibelzitat, den berühmten Satz „Ich bin die Magd des Herrn …“ (Lukas 1, 38), mit dem die Jungfrau Maria nun das ihr ausersehene Schicksal annimmt.
Bei den Verkündigungsliedern, die wie kleine dramatische Szenen anmuten, kann man nach Leopold Kretzenbacher eine frühere Zugehörigkeit zu Stubenspielen annehmen. Ihre in Prosa oder in Reimpaarversen gefassten Texte verdichten in Monologen, Wechselreden und Liedberichten Geschehnisse und Gleichnisse aus der Bibel, den Heiligenlegenden oder aus Volksbüchern.
Kommentar nach: Volksmusik in der Steiermark. Sammlung Lois Steiner: Lieder des Weihnachtsfestkreises, hg. vom Steirischen Volksliedwerk, Wien 1995 (= COMPA 4/1), S. 83.

(Franz Schötz)

4 Gedanken zu „9 ✯ Ave Maria, jungfräuliche Zier“

  1. … und dazu gibt es auch noch eine wirklich interessante und passgenaue Zusatzinfo zum Thema „Verkündigungslieder“. Das finde ich schön. Vielen Dank !

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