5 ✯ Etz gehts schö staad an Niklo zua

Etz gehts schö staa an Niklo zua
gesungen von Florian Liebl (Zither) und Simone Lautenschlager

Aus: Robert Link (Hrsg.): Waldlerisch g‘sunga. Volkslieder aus dem Bayer- und Böhmerwald. Heimat- und Volkskunde-verlag Robert Link, Heft VII, Grafenau 1969, Nachdruck Ohetaler-Verlag 2006, S. 379.
Robert Link schreibt dazu: „Dieses Nikolaus-Lied hab ich 1933 aufgeschrieben, wo es mir Schulkinder in ihrem Übermut auf der Straße laut plärrend in ihrer Art ‚gesungen‘ haben. Die zweite Stimme ist ergänzt“.

Hier können Sie das Liedblatt herunterladen: Etz gehts schö staad an Niklo zua – Liedblatt

Am Vorabend des 6. Dezember kommt der Heilige Nikolaus, der „Niklo“ in die Häuser, im roten Mantel, mit Bischofs-Mütze, Bischofs-Stab und goldenem Buch. Adolf Eichenseer schreibt dazu: „Ihn begleitet aber ein polternder, kettenrasselnder Knecht Rupprecht oder Krampus, dessen bekannte Funktion es ist, die Kinder für alle Schandtaten des Jahres mit der Rute zu strafen oder sie gar in den mitgebrachten Sack zu stecken, sie fortzubringen und in einem Teich zu ertränken. Bei diesem Strafvollzug geht der Krampus nach wie vor keineswegs zimperlich vor, so dass er auch von den größeren Kindern noch ziemlich gefürchtet wird.“ (Aus: Erika Eichenseer, Adolf J. Eichenseer, Hrsg.: Oberpfälzer Weihnacht. Ein Hausbuch von Kathrein bis Drei Kine. Mittelbayerische Druckerei- und Verlagsgesellschaft mbH, Regensburg 1978, S. 96.).

Nicht selten auch streiften gar Scharen von „wilden“ Nikoläusen lärmend durch die Dorfstraßen: „Angetan mit schwarzen oder roten Mänteln mit Pelzkrägen, Larve oder Strumpf über dem Gesicht, langen Bärten und Stecken, mit Stricken oder Viehketten gegürtet, scheuchen sie Kinder auf und verbreiten überall, wo sie auftauchen, Angst und Schrecken“ (Eichenseer, ebenda). In einigen Gäubodendörfern führte dies in den 1990er Jahren mitunter zu regelrechten Raufhändeln zwischen rivalisierenden Gruppen.

Die Gesellschaft hat sich sehr gewandelt, man will seine Kinder heute nicht mehr ängstigen und schrecken. Es ist nicht schade um ehemalige Schreckgestalten wie dem „Thammer mitn Hammer“ oder der grässlich maskierten, blutrünstig sichelwetzenden „Lucier“, mit deren Besuch den Kindern oft das ganze Jahr über gedroht worden war.
So hat sich auch der Brauch des Nikolaus-Besuchs mittlerweile sehr gewandelt. Es ist kein strafender Nikolaus mehr, der die Kinder in Angst und Schrecken versetzt, wenngleich sein Besuch immer noch Respekt einflößt. Eltern können des Besuch des Nikolaus im Pfarrbüro oder bei katholischen Jugendgruppen in Auftrag geben. Diesen bereiten sie mithilfe eines hinterlegten Geschenke-Sackerls und einem Zettel über die zu lobenden Verhaltensweisen und auszusprechenden Ermahnungen vor.
Vielfach wird dieser familiäre Brauch aber auch in Kindergärten und Grundschulklassen vorweggenommen, und selbst Tage nach dem eigentlichen Termin tritt bei vereinsinternen Feierlichkeiten der Nikolaus auf, der den Mitgliedern scherzhaft und in Reimform die Leviten liest und die Anwesenden mit einem gefüllten Sackerl beschenkt. Eine inflationäre Entwicklung, die den Brauch seines einstigen Zaubers beraubt.

(Franz Schötz)

5 Gedanken zu „5 ✯ Etz gehts schö staad an Niklo zua“

  1. Vielen herzlichen DANK für diese Bereicherung!
    Mit grosser Freude warte ich jeden Tag auf das nächstes Liedchen ! Es macht so viel Freude ! Eine sehr gute Idee!
    Recht vielen DANK lieber Franz DIR und Deinen lieben Kollegen!
    Ich wünsche eine schöne Adventszeit, alles Gute und liebe Grüße:
    Magdalena.

  2. In meiner Kind- und Jugendzeit gab es immer ein Nikolaustheater. Es ging dabei, nach kirchlichem Brauch, um den Bischof Nikolaus aus Myra.
    Des allerhöchste war, dass wir mitspielende immer wussten wer in dem Kostüm vom Nikolaus steckte. Es war jedes Jahr ein Student aus dem Priesterseminar in Fockenfeld (Nähe Waldsassen in der Oberpfalz) und der musste selbstverständlich auch bei den Proben immer anwesend sein und das war für uns pubertierende Mädels schon auch ein Grund mal den Text zu vergessen. Alle Jahre wieder war es eine aufregende und bezaubernde Zeit.

  3. Schade, dass so vieles „entzaubert“ ist! Ich erinnere mich noch gut, mit welchem Bangen und welcher Ehrfurcht wir den Besuch des Nikolaus erwarteten. Aber eines Tages waren wir doch so groß geworden und mein Bruder entdeckte: der har ja die Schuhe vom Nachbarn an!!!
    Aber sind schöne Erinnerungen an die Kindheit!!

  4. Ich freue mich jeden Tag auf das Türchenöffnen!! Vielen Dank für diese Bereicherung in trauriger Zeit: Das heutige Lied muntert besonders auf.

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