24 ✯ Stille Nacht

„Stille Nacht, heilige Nacht“
In den vergangenen 202 Jahren ist das Lied in verschiedensten Abschriften, Varianten und Arrangements aufgetaucht. Heute stellen wir es Ihnen in einer Version für Tubaquartett vor. Das Video wurde in der Kirche St. Laurentius in Nussdorf/Chiemgau aufgenommen.

Stille Nacht (Tubaquartett) gespielt von Elmar Walter



Hier können Sie das Notenblatt als PDF-Datei herunterladen: Stille Nacht-Tubaquartett

Jetzt, Leuteln, jetzt loost’s amal zua! Mein Gsangl is wohl a weng alt, es is aba dennascht schö gnua. I moan, daß ’s enk allesamm gfallt.“ So beginnt die Heilige Nacht von Ludwig Thoma. Und sie ist nicht nur heilig diese Nacht, sondern auch still. So still, dass ein kleines Weihnachtslied aus dem salzburgischen Oberndorf die ganze Welt erobern konnte.
Es war am 24t. Dezember des Jahres 1818, als der damalige Hülfspriester Herr Josef Mohr bei der neu errichteten Pfarr St. Nicola in Oberndorf den Organistendienst vertretenden Franz Gruber (damals zugleich auch Schullehrer in Armsdorf [Arnsdorf]) ein Gedicht überreichte, mit dem Ansuchen eine hierauf passende Melodie für 2 Solo-Stimmen sammt Chor und für eine Guitarre=Begleitung schreiben zu wollen. Letztgenannter überbrachte am nämlichen Abend noch diesem Musikkundigen Geistlichen, gemäß Verlangen, so /: wie selbe in Abschrift dem Original ganz gleich beiliegt, seine einfache Composition, welche sogleich in der heiligen Nacht mit allen Beifall produzirt wurde.“ [Franz Xaver Gruber, Authentische Veranlassung zur Composition des Weihnachtsliedes „Stille Nacht, heilige Nacht!“, Reinschrift vom 30. Dezember 1854 (Keltenmusuem Hallein, Stille Nacht Archiv)].

Diese „einfache Composition“ sollte zu einem enormen Erfolg werden, aus dem allerdings die Urheber keinerlei Nutzen ziehen konnten. Zur Entstehungsgeschichte dieses Welterfolgs allerdings liegen außer der zitierten authentischen Veranlassung keine weiteren vor und selbst diese lässt Spielraum zur Interpretation – vermutlich hat dies auch sein Übriges zum Erfolg des Liedes getan. Es ist beispielsweise nicht zu belegen, dass die Orgel an jenem Heiligen Abend ausgefallen sei, und schon gar nicht, dass eine Maus den Blasbalg der Orgel zernagt habe und das Instrument deshalb nicht spielbar gewesen sei. Nach Thomas Hochradner deutet die Gitarrebegleitung viel mehr darauf hin, dass das Lied vor der Krippe im Anschluss an die Messe aufgeführt wurde.
Eine Urschrift, ein Autograph Franz Xaver Grubers gibt es nicht, lediglich eine vor 1820 zu datierende Fassung von der Hand Joseph Mohrs. Zwischen 1820 und 1885 gibt es 18 Abschriften des Liedes, vier Autographen Franz Xaver Grubers (1836, um 1845, 1854 und 1860) , ein Autograph Joseph Mohrs (1820) und einen Druck (1885). Darunter finden sich verschiedenste Varianten des Liedes, sowohl bezüglich des Textes als auch der Melodieführung bzw. Rhythmik.
Über den Tiroler Orgelbauer Carl Mauracher, der 1819 die Arnsdorfer Orgel reparierte und um 1825 in Oberndorf eine neue Orgel installierte, gelangte das Lied durch die Geschwister Strasser aus Laimach (heute ein Ortsteil von Hippach im Zillertal) um die Jahreswende 1831/32 nach Leipzig. Dort hörte es wohl der Verleger August Robert Friese, der es 1832 als Erstdruck als „Ächtes Tyroler-Lied, gesungen von den Geschwistern Strasser aus dem Zillerthale“ veröffentlichte. [Vier Ächte Tyroler Lieder für Sopran-Solo oder für vier Stimmen mit willkührlicher Begleitung des Piano-Forte. Gesungen von den Geschwistern Strasser aus dem Zillerthale. Treu diesen trefflichen Natursängern nachgeschrieben. Dresden bei A.R. Friese 1832].

Die Kirche St. Nikola in Oberndorf, in der das Lied zum ersten Mal erklang, war dem Patron der Schiffer geweiht und wies als Besonderheit im Mittelgang eine brusthohe Mauer zur Trennung von Frauen und Männern auf. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Kirche mehrmals durch Hochwasser der Salzach beschädigt. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde die Kirche schließlich abgerissen. Von 1924 bis 1936 wurde schließlich auf dem Schuttkegel der abgerissenen Kirche St. Nikola die Stille-Nacht-Gedächtsniskapelle errichtet, die insbesondere um die Weihnachtszeit zahlreiche Besucher aus aller Welt anzieht.

Seit 2011 ist das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ im nationalen Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes in Österreich gelistet. In der Begründung für die Aufnahme heißt es:
Das Lied thematisiert den Wunsch der Menschen nach allumfassenden Frieden, vermittelt ein Gefühl der Zusammengehörigkeit und fördert den zwischenmenschlichen Austausch und das gegenseitige Verständnis. Es hat eine generationsübergreifende, verbindende Wirkung und vereint verschiedene Altersstufen, Konfessionen und Kulturen, zu deren Festkultur das Lied gleichermaßen gehört.“ [https://www.unesco.at/kultur/immaterielles-kulturerbe/oesterreichisches-verzeichnis/detail/article/stille-nacht-das-lied-zur-weihnacht]

Wer mehr über das Lied, seine Entstehungsgeschichte, seine Urheber und seine weltweite Verbreitung wissen möchte, dem sei die Internetseite der Stille Nacht Gesellschaft empfohlen: https://www.stillenacht.at/

(Elmar Walter)

12 Gedanken zu „24 ✯ Stille Nacht“

  1. So schön, von der Idee über die Ausführung bis zu den Kommentaren, das möchte ich in der nächsten Adventszeit sehr gerne wiederholen! Euch allen ganz herzlichen Dank!

  2. Vielen lieben Dank für diesen Beitrag zu Advent. Eine tolle Idee
    und jedes Türchen eine Besonderheit. Es wäre schön wenn man
    nächstes Jahr wieder ein Türchen öffnen könnte.
    Herzlichen Gruß an Alle die an dem Adventskalender gearbeitet
    haben, alles Gute fürs Neue Jahr, vor allem beste Gesundheit.

  3. Es war so schön euren Kalender zu lauschen. Ich hoffe sehr und bitte euch darum uns nächstes Jahr wieder mit einem musikatischen Kalender zu beglücken. Vielen Dank

  4. Ihr Lieben,
    dieser euer Adventskalender ist wohl eines der wunderbarsten Geschenke, die uns Corona beschert hat!
    Vergelts Gott und alle guten Wünsche für ein erfülltes Jahr 2021!

    Sepp Rottenaicher, Halsbach

  5. Schön war’s. Hat der Seele richtig gut getan in dieser doch nicht einfachen Zeit. Hab mich jeden Tag darauf gefreut!
    Ihnen allen einen großen Dank und ein frohes und friedvolles Weihnachtsfest.

  6. Herzlichen Dank für die wunderschöne Begleitung durch die Adventszeit mit eurem Adventskalender! Habe mich jeden Tag darauf gefreut.
    Frohe Weihnachten und ein gesegnetes, gesundes neues Jahr!
    Liebe Grüße an alle Beteiligten aus Augsburg !

  7. Herzlichen Dank euch allen für diesen wunderbaren und außergewöhnlichen Adventskalender in diesem Jahr, in dem uns Musikanten das gemeinsame Musizieren ganz besonders fehlt. Ein frohes, gesegnetes Weihnachtsfest und viele herzliche Grüße an alle Beteiligten!

  8. Hallo ihr Lieben,
    Vielen Dank an euch alle, jeden Morgen haben wir uns darauf gefreut!
    Herzlich Dank , bleibt gesund !!
    Schöne Weihnachten!!
    Grüße aus dem Schwarzwald Gabriele

  9. Stille Nacht einmal anders, besonders, anders wie das ganze Jahr. Danke für all die kreativen Einfälle in dieser Adventszeit. Sie haben mich nachdenklich gestimmt.
    Richard

  10. Vielen herzlichen Dank für die tägliche, wunderbare Einstimmung im Advent… eine sehr schöne Idee.
    Ich wünsche euch allen ein gesegnetes, friedvolles Weihnachtsfest und ein neues Jahr mit Gesundheit, Frieden, Freiheit und Liebe.

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