17 ✯ Nun sende, Herr, uns deinen Sohn

Nun sende, Herr, uns deinen Sohn auf der Orgel zum Mitsingen eingespielt von Benjamin Schmid.
Nach einem kurzen Vorspiel geht’s los.

Aus: Georg Brenner (1811-1879), Zehn Weihnachtslieder aus dem „Melodienbuch zur Engelsharfe“, herausgegeben von Konrad Ruhland als Heft 26 der Reihe Musik aus Ostbayern, Musikverlag Alfred Coppenrath, Altötting 1989, S. 5

Hier können Sie das Liedblatt herunterladen: Nun sende, Herr, uns deinen Sohn – Liedblatt

Der Musikwissenschaftler Konrad Ruhland bezeichnet dieses Lied im Vorwort seiner Ausgabe voller Begeisterung als ein „Juwel“, weil es die sieben O-Antiphonen der letzten Adventswoche aufgreift.
Antiphon bezeichnet im Gregorianischen Choral einen Refrain, der Verse eines Psalms einrahmt. In den letzten sieben Tagen des Advents, vom 17. bis 23. Dezember, finden die O-Antiphone – so benannt, weil sie alle mit der Anrufung „O“ beginnen – ihren Platz beim Magnificat in der Vesper des Stundengebets oder als Ruf vor dem Evangelium in der katholischen Messe des jeweiligen Tages.
Konrad Ruhland hat den Text gefunden in der „Engelsharfe. Katholisches Gebet- und Gesangbuch für Jünglinge und Jungfrauen“, herausgegeben 1854 von mehreren Priestern der Diözese Passau. Er schreibt: „Wie damals üblich, waren darin nur die Texte abgedruckt. Schon bald danach muss Georg Brenner [1811-1879; Kooperator in verschiedenen Orten der Diözese Passau, ab 1857 Pfarrer von Schöllnach], der vermutlich auch ein guter Organist und im Tonsatz erfahren war, zu dieser ‚Engelsharfe‘ ein Melodienbuch und Orgelbuch geschrieben haben. … Leider sind uns davon die beiden ersten Auflagen nicht bekannt. Nur die dritte Auflage [1866] konnte ich in einem österreichischen Klosterarchiv und dann in der Bayerischen Staatsbibliothek München finden.“ Dieser Ausgabe entnahm Ruhland den vierstimmigen Satz. Unbekannt bleibt, ob Brenner die Melodie nach dem Volksgesang aufgeschrieben hat oder selber ihr Urheber ist. Anzunehmen ist eher ersteres.
Die bildhaften Anrufungen greifen sieben verschiedene Hoffnungsvorstellungen aus dem Alten Testament auf. Sie bringen die Erwartung der Geburt Christi und die Sehnsucht auf endgültige Erlösung am „Jüngsten Tag“ zum Ausdruck. Sie preisen das ersehnte Wirken des erwarteten Messias und münden in den Ruf „Komm!“ Die Lebenswirklichkeit der Menschen war geprägt von Kriegen und Stammeskämpfen, Mordabsichten und Grausamkeiten, Bedrohungen und Verfolgungserfahrungen, Ungerechtigkeiten, Neid, Missgunst, Machtstreben, Verhöhnung, Ausgrenzung, Unterdrückung, Armut und Hunger. Sie sehnen sich nach einem Retter, der die Mächtigen, Reichen und Hochmütigen von ihrem Thron stürzt, der sich der Unterprivilegierten, der Schwachen und Hungernden annimmt.
Wortlaut nach der Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift (in Kursivschrift) und Einordnungen wurden, wenn nicht anders angegeben, der Seite https://www.praedica.de/Advent/O_Antiphonen.htm entnommen.

17. Dezember – Christus ist die Weisheit:
O Weisheit, hervorgegangen aus dem Munde des Höchsten – die Welt umspannst du von einem Ende bis zum anderen, in Kraft und Milde ordnest du alles:
o komm und offenbare uns den Weg der Weisheit und der Einsicht.


18. Dezember – Christus ist der Herr:
O Adonai, Herr und Führer des Hauses Israel, im flammenden Dornbusch bist du dem Mose erschienen und hast ihm auf dem Berg das Gesetz gegeben:
o komm und befreie uns mit deinem starken Arm!

Das Volk Israel nennt ihn Adonai, weil es sich aus Ehrfurcht scheut, den Gottesnamen auszusprechen.

19. Dezember – Christus ist von königlicher Abstammung:
O Spross aus Isais [Jesse] Wurzel, gesetzt zum Zeichen der Völker – vor dir verstummen die Herrscher der Erde, dich flehen an die Völker:
o komm und errette uns, erhebe dich, säume nicht länger.

Jesse ist der Vater von König David, aus dessen Geschlecht die Könige Israels stammten. Hiermit wird die genealogische Verbindung zwischen Jesus und David über seinen Vater Josef hergestellt. Im Evangelium nach Matthäus wird Jesus als Davidssohn bezeichnet [https://de.wikipedia.org/wiki/David].

20. Dezember – Christus ist der Schlüssel Davids, der Schlüssel zur Befreiung aus körperlicher und seelischer Gefangenschaft [https://www.katholisch.de/artikel/7327-staunen-und-warten]. Der Zugang zum Heil Gottes, der bisher nur dem Volk Israel offen stand und den Heiden verschlossen war, wird durch den Messias allen Völkern eröffnet:
O Schlüssel Davids, Zepter des Hauses Israel – du öffnest, und niemand kann schließen, du schließt, und keine Macht vermag zu öffnen:
o komm und öffne den Kerker der Finsternis und die Fessel des Todes.


21. Dezember – O Sonne der Gerechtigkeit
Hier weicht unser Lied von der sonst üblichen Anordnung der Bilder ab, welche das Bild vom Morgenstern voranstellt:
O Morgenstern, Glanz des unversehrten Lichtes, der Gerechtigkeit strahlende Sonne:
o komm und erleuchte, die da sitzen in Finsternis und im Schatten des Todes.

Christus ist der strahlende Morgenstern (Venus, der hellste Stern am Himmel), der den Tag ankündigt und Hoffnung weckt auf das Ende der Nacht – das Ende der Nacht der Seele und der Dunkelheit des Geistes.

22. Dezember – Christus ist der König aller Völker:
O König der Völker, ihre Erwartung und Sehnsucht; Schlussstein, der den Bau zusammenhält:
o komm und errette den Menschen, den du aus Erde gebildet!


23. Dezember – Christus ist der Immanuel. Die Bedeutung dieses hebräischen Namens ist „Gott ist (sei) mit uns“. Der Messias sollte nach dem Willen Gottes den Namen Jesus, Retter, tragen und nach der Verheißung des Propheten Jesaja in Person das sein, was Immanuel bedeutet, nämlich „Gott ist mit uns“ [https://www.gutefrage.net/frage/warum-hat-man-jesus-nicht-immanuel-genannt-so-steht-es-doch-im-alten-testament]:
O Immanuel, unser König und Lehrer, du Hoffnung und Heiland der Völker:
o komm, eile und schaffe uns Hilfe, du unser Herr und unser Gott.


(Franz Schötz)

Ein Gedanke zu „17 ✯ Nun sende, Herr, uns deinen Sohn“

  1. Dieses schöne Lied war mir noch nicht bekannt, aber spätestens ab der dritten Strophe konnte ich problemlos mitsingen. Sehr schön und abwechslungsreich eingespielt!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.