14 ✯ Maria und die Espe


Maria und die Espe
gesungen vom Duo Califragilis
(Rosemarie Seitz und Franz Josef Schramm)

Das Lied wurde am 26.12.1936 von Albert Brosch in Eger aufgezeichnet. Vorgesungen hatte es Josef Müller (geboren 1857 in Horn bei Elbogen). Er hat das Lied um 1867 von seiner Mutter gelernt.
Quelle: Brosch, Albert; Heil, Seff (Hrsg.): Der Liederschatz des Egerlandes,, Band 3., Sulzbach-Rosenberg: Arbeitskreis Egerländer Kulturschaffender, 1986.
Hier wiedergegeben mit wenigen Textänderungen der Effeltricher Sänger.



Hier können Sie das Liedblatt herunterladen: Maria und die Espe – Liedblatt
Und hier in der Weise, wie es Albert Brosch am 26.12.1936 aufgezeichnet hat: Marie und die Espe – Faksimile

Auch wenn dieses Lied eigentlich kein Adventslied ist, wird es immer wieder gerne zur Ehrung der Hl. Maria bei fränkischen Adventsveranstaltungen und „Fränkischen Weihnachten“ gesungen.
Bei „Maria und die Espe“ handelt es sich um ein Legendenlied. Es basiert auf einer Legende, die z.B. in Estland folgendermaßen erzählt wird:
Eines Abend war die Jungfrau Maria mit dem Jesuskinde durch den Wald gegangen. Alle Bäume hatten sich vor dem Jesuskinde verneigt, besonders demütig und ehrfurchtsvoll waren die Tanne, die Fichte und der Wacholder gewesen. Nur die Espe hatte stolz gestanden und ihr Haupt von den Strahlen der Abendsonne umspielen lassen. Da hatte die heilige Jungfrau gesagt: »Weil du, Espe, so hochmütig bist, sollen deine Blätter beim leisesten Windhauch zittern und vor Furcht beben. Aber euch, ihr Tanne, Fichte und Wacholder, soll immer eine grüne Krone zieren, als Zeichen meines Dankes.«
Seitdem muß das Espenlaub zittern, während die Nadelbäume sich das Jahr über ihres grünen Schmuckes freuen dürfen.

(Quelle: Aus dem handschriftlichen Nachlass von J. Hurt, zitiert nach www.zeno.org abgerufen am 3.11.2020)

Und der österreichische Dichter Ignaz Friedrich Castelli (1781-1862) erzählt diese Geschichte der Pappel in einem Gedicht:

Entstehung der Zitterpappel (Legende)
Maria erging sich auf der Flur,
Da grüßet alsbald die ganze Natur
Die Erd- und Himmelskönigin,
Die wandelt in reinem und frommen Sinn.
Es fächelt Zephyr ihr die Wangen,
Die Vöglein auf allen Zweigen sangen,
Die Insekten schwirren im bunten Gemische,
Und auf den Wellen tanzten die Fische;
Wolf, Bär und Tiger verlassen den Raub,
Und krümmen sich folgsam vor ihr in den Staub;
Die Blumen die Kelch‘ ihr entgegen neigen,
Die Bäum‘ ihre Kronen demüthig beugen:
Nur eine Pappel bleibt stolz da steh’n,
Als ob sie Marien gar nicht geseh’n.
Da wirft die Jungfrau noch einen Blick
Auf jene hochmüthige Pappel zurück;
Wer kann den gewaltigen Blick wohl mahlen,
Aus dem man den ganzen Himmel sieht strahlen?
Da fing die Pappel zu zittern an,
Und zittert seit dieser Minute fortan.


Quelle: https://www.pflanzenlust.de/es-zittern-die-pappeln/ (abgerufen am 3.11.2020)


Übrigens: Das Laub der Espe (Zitterpappel) „zittert“, weil die Blätter über sehr lange, seitlich abgeplattete Stiele mit den Ästen verbunden sind. Aus diesem Grund bringt schon wenig Wind das komplette Espenlaub in Bewegung, die Espe „zittert“. Bis diese Bewegung des Blattwerks wieder abklingt und die Espe sich „wieder beruhigt“ hat, dauert es dann eine ganze Weile. Dieses Wechselspiel von Laub und Luft ist ein typisches Charakteristikum der Espe.

(Franz Josef Schramm)

2 Gedanken zu „14 ✯ Maria und die Espe“

  1. Eine wunderbare Aufnahme eines Liedes, das ich bisher nicht kannte. Bei besinnlichen Liedern ist die Grenze zum Kitschigen manchmal schnell überschritten. Die beiden Sänger meistern das mit Bravour und schaffen es von der ersten Zeile, trotz des „streng erzieherischen Aspektes“ im Liedtext, eine ehrliche, andächtige Stimmung zu schaffen. Dankeschön !

  2. Lieber Franz-Josef und Rosemarie, wie schön, eure Stimmen zu hören!
    Das Lied hat mich tief berührt. Trotz Allem frohe Weihnachten und ein besseres neues Jahr.

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