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Von Schafen, Liedern und Genies

Im September 2018 war Maria Anna Sauter aus Ebershausen als Praktikantin in der Forschungsstelle für Volksmusik in Schwaben in Krumbach zu Gast. Während ihres zweiwöchigen Praktikums bekam sie einen Einblick in die unterschiedlichen Arbeitsbereiche der Forschungsstelle. Aber lassen wir sie selber erzählen:

Von Schafen, Liedern und Genies

Was genau machen eigentlich die Mitarbeiter der Forschungsstelle für Volksmusik in Schwaben? Und wie sieht ihre Arbeit aus?
Diese Fragen habe ich mir gestellt, als ich mich im Mai 2018 in Krumbach für ein zweiwöchiges Praktikum bei der Forschungsstelle für Volksmusik in Schwaben beworben habe.

Maria Anna Sauter

Mein Name ist Maria Anna Sauter und ich studiere Angewandte Musikwissenschaft und Musikpädagogik im 3. Semester an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Im Zuge dieses Studiums werden insgesamt vier Wochen Praktika absolviert. Nachdem ich also eine Bestätigung von Dagmar Held, der Leiterin der Forschungsstelle für Volksmusik in Schwaben erhalten hatte, vereinbarten wir sogleich einen Termin Ende August, um persönlich in Krumbach vorbeizuschauen. Hier erwartete mich sogleich eine erste Überraschung, denn Mitarbeiter Benjamin Schmid hat den gleichen Studiengang wie ich in Eichstätt studiert! Nach einem Rundgang durch die Räume im Alten Rathaus in Krumbach wurde mir noch der wertvollste Schatz der Forschungsstelle gezeigt: die Ziemetshauser Handschrift, die älteste schwäbische Handschrift aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.

Mitte September war es dann endlich soweit: mein Praktikum begann und damit auch mein gewünschter Einblick in die Arbeit der Forschungsstelle. Nach einer kurzen Einführung in das Datenbanksystem konnte ich auch schon anfangen: der Notennachlass eines Musikvereins musste archiviert werden und die Aufnahme einer Feldforschung sollte in die Tondatenbank aufgenommen werden. Für ein Schulprojekt recherchierte ich im Archiv nach handschriftlichen Liedern aus Gersthofen und Umgebung und sammelte diese in einer Liste.
In der zweiten Woche meines Praktikums waren Dagmar Held und ich zu einem Offenen Singen im Allgäu eingeladen. Für diese Veranstaltung führte sie mich in die Kunst des Jodelns ein. In meinem Fall eine ganz neue, aber positive Erfahrung. Wir erarbeiteten uns also im Laufe der Woche drei mehrstimmige Jodler, dir wir den Teilnehmern dann beibrachten.

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Aber auch auf den ersten Blick „banale“ Tätigkeiten wie Postkarten anfertigen, Downloads organisieren und Botengänge zur Beratungsstelle für Volksmusik im Hürbener Wasserschloss erledigte ich gerne.

Ein wichtiger Tätigkeitsbereich der Mitarbeiter besteht in der Transkription von Volksliedern. So wurde ich beauftragt, das Lied „An dem reinsten Frühlingsmorgen“ mithilfe des Notensatzprogrammes Sibelius transkripieren. Der Umgang mit diesem Programm war mir dank eines Kurses an der Universität schon vertraut.
Im November 2015 erhielt Dagmar Held im Krumbacher Archiv Besuch von Frau Brigitte Brandt aus Waltenhausen, die ihr dieses Lied vorsang. Sie lernte es während ihrer Jugend bei der Jugendorganisation „Die Falken“ kennen. Zuerst bestimmte ich Tonart und Taktart, um dann die Aufnahme in kleinen Abschnitten immer wieder anzuhören, damit ich die Melodie und den Text notieren konnte:

An dem reinsten Frühlingsmorgen - Partitur

 
Nun musste ich noch das Layout des erstellten Liedblattes anpassen. Schriftart, Schriftgröße, Schriftauszeichung und Zeilenabstand wurden in der dafür vorgegebenen Einstellung angeglichen, denn die Liedblätter der Forschungsstelle haben immer das gleiche Layout. Während der darauffolgenden Recherche im Internet stieß ich auf Johann Wolfgang von Goethes Gedicht „Die Spröde“ aus dem Jahr 1791. Die drei Verse des Gedichts entsprechen den ersten drei Strophen des Liedes. Der in der zweiten Strophe erwähnte Thyrsis ist ein Schäfer aus dem Gedicht „Thyrsis oder das Lied von dem Tod Daphnis“ des antiken griechischen Dichters Theokritos. Bei weiterer Nachforschung stellte ich verwundert fest, dass Wolfgang Amadeus Mozart diesen Text unter anderer Melodie in der Oper „Theatralische Abenteuer“ (1791) verwendet hat. Ebenso haben Friedrich Heinrich Himmel und Hugo Wolf Goethes Gedicht vertont. Nachdem ich all diese Informationen gesammelt in das Liedblatt gepackt hatte, konnte ich mein Endergebnis Dagmar Held und Benjamin Schmid vorlegen, die mir noch kleine Korrekturtips gaben. Und somit war die Transkription dieses Liedes beendet. Im Anschluss habe ich die Aufnahme noch in die Tondatenbank eingegeben.

Hier eine kleine Hörprobe:

Mit der Anfertigung dieses Blog-Beitrages geht jetzt mein Praktikum auch schon dem Ende zu. Die zwei Wochen sind leider viel zu schnell vergangen, jedoch habe ich einen spannenden Einblick in die Arbeit der Forschungsstelle für Volksmusik bekommen.
Dafür möchte ich mich bei Dagmar und Benjamin, die mir dies ermöglicht haben, ganz herzlich bedanken!

Maria Anna Sauter

Veröffentlicht von

Benjamin Schmid

Forschungsstelle für Volksmusik in Schwaben, Krumbach

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